Auf der Suche nach Individualität

„Das größte Streben des Menschen ist der tiefe Wunsch nach Anerkennung.“

William James

Beeindruckt von diesem Satz glaube ich , dass die meisten Menschen, wenn nicht unbedingt Anerkennung dann doch zu mindest Aufmerksamkeit möchten.

In Ländern wie Gambia, das in Großfamilien organisiert ist, gibt es vergleichsweise eher wenig Nachnamen. Auch die Vornamen sind nicht so vielfältig. Sie orientieren sich vorzugsweise an den großen Persönlichkeiten des Islams, und speziell der Prophetenfamilie.

Nun stell dir einmal vor, du bist ein Mädchen in einer gambischen Highschool. Du trägst eine Uniform, weil das aus der britischen Kolonialzeit  noch übrig geblieben ist. Wenn du also die Schule betrittst, sehen alle so aus wie du. Du gehst in deine Klasse, jemand ruft deinen Namen „Fatou“ und 5 Mädchen drehen sich um. Im Klassenverzeichnis gibt es dann fast jeden Nachnamen mindestens doppelt.

Kein Wunder, dass einige der Mädchen nun auf jeden Fall irgendwie auffallen und aus der Rolle fallen wollen. (Interessant: 2x fallen, was das nun wieder zu bedeuten hat?)

Um dieser Namensgleichheit entgegenzuwirken, geben sich die Schüler Spitznamen. Manchmal sind es die Initialen, manchmal Abkürzungen, häufig auch Namen von Promis. Um dann nicht in Vergessenheit zu raten, schreiben sie dann an die Wände der Klasse zum Beispiel „Remember FC“. Traurig, wenn das die einzige Möglichkeit ist, in Erinnerung zu bleiben.

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Alt sein in Gambia…..

Alt sein in Gambia ….. ist etwas Herrliches. Nun, wirst du vielleicht denken, bei all der Armut, was ist daran herrlich. Es ist die Menschlichkeit. Alt werden in der Geborgenheit der Familie. Mit der Weisheit des Alters, dem Respekt und der Ehre, die einem Familienoberhaupt zuteil wird. Sie helfen und bringen sich in das Familienleben ein, so lange und so gut es eben geht. Und wenn es dann irgendwann nicht mehr geht, wird es eben langsamer, und die nachfolgenden Generationen verwöhnen die Älteren so gut und liebevoll sie es können. Bei der Größe der Familie sind sie nie allein und können sich immer dazusetzen zum Reden.

Eine große Überraschung war es für mich, als ich erfuhr, dass es EIN Seniorenheim in Gambia gibt. Ich konnte es erst gar nicht glauben, aber wir haben dann tatsächlich auch die Möglichkeit bekommen, das eine Seniorenheim mal zu besuchen.

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Müll in Afrika -A Never Ending Story

Wie in den meisten afrikanischen Ländern ist die Müllbeseitigung ein echtes Problem. Vor knapp 2 Jahren, schrieb ich in einem Artikel, dass der damalige Präsident innerhalb einer Woche beschlossen hatte, alle Plastiktüten aus dem Land zu verbannen. Ich war angenehm überrascht wie problemlos und nachhaltig das funktioniert hat. Seitdem gibt es nur Stofftüten. Das ist auch gut so, denn weniger gebildete Leute verbrennen alles, ob Plastik, Autoreifen (manchmal auch ganze Stapel) oder anderes Verpackungsmaterial vor ihrer Haustür und verursachen Höllenqualen für Asthma-Patienten, von denen es hier überdurchschnittlich viele gibt. Die Luftverschmutzung durch nicht vorhandene Katalysatoren und einer Mehrheit von Autos, die weit über 20 Jahre alt sind, ist enorm. Hier wäre ein Training für Umweltbewusstsein von Nöten.

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Ganz besonders hat es immer die Kinder des SOS-Kinderdorfes betroffen. Der einzige Müllplatz des Landes ist genau gegenüber des Kinderdorfes. Der Müll auf dem Platz, der gut mehrere Fußballfelder groß ist, wurde ständig angezündet.

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Geschenkte Gesundheit

Da bin ich wieder. Dieses Mal mit unserem Gesundheitsprojekt. Am Freitag kam nun endlich der Container, voll mit Medikamenten. Ich war sehr beeindruckt, wie viel letztlich doch zusammengekommen ist. Mögen die Spender reichlich belohnt werden.

Medikamente

Am Sonntag kam dann Modou, der Mediziner unseres Vertrauens. Vor etwa einem halben Jahr wurde die Klinik geschlossen, in der er gearbeitet hat, und schon wurde er arbeitslos. Nun fährt er Taxi, um seine Familie zu ernähren, aber am Mittwoch macht er, so Gott will, eine 3-monatige Weiterbildung, um die Erlaubnis zur Selbständigkeit zu erhalten. Sein Traum ist es, dann noch eine pharmakologische Ausbildung zu machen. Die dauert wohl 8 Monate, aber nur 3 Tage die Woche. Unser Plan ist nun folgender:

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Neue Betten!

Erinnert ihr euch? Vor nicht allzu langer Zeit haben wir „unser Dorf“ Kuloro besucht, in dem wir die Moschee bauen. Bei unserem Besuch dort, stellte sich auch der Arabischlehrer vor. Er ist krank, hat Schwierigkeiten seine Frau und seine 9 Kinder zu ernähren, und die Familie schlief auf Betten aus Lehm. Dieser Anblick war schlicht schwer zu ertragen. „Neue Betten!“ weiterlesen

Iftar in Gambia / Ramadan 2017 – 20€ für ein Paket

Gambia hat einen neuen Präsidenten. Das ist gut so. Es kommen Investoren ins Land, die EU hat wieder Gelder zugesagt und dennoch. Es ist immer noch eins der 20 ärmsten Länder der Welt. 

Für die Muslime der Welt beginnt etwa am 25. Mai wieder der schöne Fastenmonat Ramadan. Eine Reiniugung für Leib und Seele. Überall freuen sich sie sich auf diesen gesegneten Monat. Es jetzt hier nicht der Ort für eine geschichtliche Abhandlung zum Ramadan, aber für alle, die ihn noch nicht selbst praktiziert haben, es ist wunderbar. Die Seele wird von vielen schlechten Angewohnheiten gereinigt, der Körper entschlackt und man fühlt sich den Armen und Bedürftigen näher als je zuvor. 

Und ab Sonnenuntergang darf man dann ja auch wieder essen. Wo sich bei manchen dann die Tische biegen, geht es bei anderen etwas bescheidener zu. Doch was ist mit denen, die nichts oder kaum etwas haben zum Fastenbrechen? Wer sich vorstellen kann mit einer Handvoll Erdnüsse oder einem Hirsebrei über die 24 Stunden zu kommen, kommt diesem Zustand schon sehr nahe. 

Seit nunmehr fast 19 Jahren kümmern wir uns um die Ärmsten in Gambia, und bis letztes Jahr konnten wir zumindest sicherstellen, dass zum Fest alle 140 Familien, die wir betreuen, ein schönes Essen mit Fleisch zubereitet haben. Bei größeren Spenden haben wir ihnen dann noch die letzten 10 Tage, die im Islam mit sehr viel Gebeten begangen werden, mit Extra Lebensmitteln verschönert. Im letzen Jahr konnten wir erstmals ein Iftar-Paket zusammenstellen, dass sie über einen Teil der Fastenzeit gebracht hat. Im Paket waren Reis, Zucker, Tee, Mayonaise, Tomatenmark, Hühnerbeine, Nudeln, Zwiebeln, Datteln ….. So ein ähnliches Paket wollen wir jetzt wieder zusammenstellen. 

Das Paket wird 20€ kosten, und wir wollen 160 Pakete zusammen stellen. 140 Pakete für unsere bedürftigen Familien, den Rest für die ehrenamtlichen Helfer, Kranke und Arme des Weges. 

Wer selbst nicht fasten kann und dafür lieber einen Armen speisen möchte, darf sich auch gerne bei uns melden. 

Der Prophet (s) sagte: „Einen jeden Gläubigen, der einen Gläubigen speist, nachdem dieser hungrig war, wird Allah am Tag der Auferstehung von den Früchten des Paradieses speisen.“ (Tirmidhi). 

Spenden ist wieder auf vielerlei Arten möglich. Per betterplace: http://www.betterplace.org/p52910

Oder herkömmlich

Es werde Licht – wie wir den Stromversorger austricksen könnten

Es werde Licht – Wie wir den Stromversorger austricksen könnten

Stellt euch vor, ihr hättet am Tag nur 6 Stunden Strom, mal etwas mehr und mal auch weniger. Na ja, denkt ihr bestimmt, in Afrika ist es warm, dann gehe ich eben raus. Vielleicht habt ihr euch aber auch nie wirkliche Gedanken gemacht, wofür man überall Strom braucht. Dann ist nichts mehr mit Waschmaschine oder Mixer, Fernsehen und Internet auch nicht. Nun denkst du vielleicht, das ist ja Luxus, das geht auch ohne. Ja, abgesehen davon, dass du dann diesen Artikel nicht lesen könntest, ganz blöd ist es nur, wenn du abends ohne Licht da sitzt. „Es gibt doch Kerzen!“, höre ich jetzt den ein oder anderen sagen. Auch das ist richtig. Hast du schon einmal versucht, bei Kerzenlicht für

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Gambia und seine Präsidenten: Ein Tagebuchbericht

Gambia und seine Präsidenten: Ein Tagebuchbericht
10 Tage vor der Vereidigung des neuen Präsidenten und die Tage danach.

Tag 10 – 9.1.17 Montag

Morgens ins Büro gegangen. Wir haben noch weiter am Jahresabschluss gearbeitet, aber es war schwer bei der Sache zu bleiben. Heute soll das Meeting der Westafrikanischen Staatspräsidenten im Rahmen der Inauguration des neuen Staatschefs in Ghana stattfinden. Alle warten gespannt auf die Ankündigungen. Abends wurde dann mitgeteilt, dass die Ecowas-Spitzen sich am 11.1. Mittwoch mit Präsident Jammeh zu einem letzen Gespräch treffen wollen. Nun ja, wir hatten mehr erhofft.

Tag 9 – 10.1.17 Dienstag

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Und dann noch etwas Schönes in all dem Trouble

Wer sich etwas für Gambia interessiert, hat vielleicht mitbekommen, was hier gerade los ist. Wir stehen kurz vor einer Militärinvasion, um die Amtseinführung des neuen Präsidenten zu sichern. Dennoch geht das Leben ja weiter. Gestern war unser letzter Tag im Büro, vorerst, und Sheikh Chabbo Cham kam, um die letzten 360€ abzuholen, die wir für den Wiederaufbau seiner völlig zerstörten Koranschule gesammelt haben. Er dankte uns sehr und versorgte uns dann gleich auch noch mit Bildern der Renovierung. Das letzte Geld ist für noch fehlende Fliesen und den letzten Schliff. Dann erstrahlt die Schule wieder im alten Glanz und kann die Arbeit wieder aufnehmen. 14 Monate war die Schule ein Bauruine, doch mit Allahs Hilfe und der Hilfe unserer fleißigen Sponsoren ist die Schule wieder wie neu.

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Ich will helfen, habe aber kein Geld

Immer wieder erhalte ich emails oder Whatsapp Nachrichten, in denen die Begeisterung für unsere Projekte ausgesprochen wird, und dann kommt oft noch ein Nachsatz „Ich würde euch so gerne helfen, aber ich habe kein Geld“. 

DAS MACHT NICHTS. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie ihr helfen könnt.

Ich schreibe jetzt ein 10-Punkte-Programm, mit dem ihr Möglichkeiten zu helfen habt. Es sind nur Vorschläge, jeder sucht sich einfach das heraus, was ihm möglich ist. 

1. Bittgebete sind immer willkommen. Gebete sind so ein starkes Mittel Gutes herbeizuführen. Also scheut euch nicht, alle Armen und Bedürftigen in euere Gebete mit aufzunehmen. 

2. Wenn du dieses liest, sitzt du entweder vor einem Handy, Tablet oder Computer. Naturgemäß wirst du dann auch hin und wieder eine Suchmaschine benutzen. 
Warum nicht statt Google mal benefind. Benefind funktioniert genauso wie Google, spendet aber einer Organisation deiner Wahl für jede zweite Suchanfragen einen Cent. Bis jetzt haben wir schon knapp 100€ gesammelt, das sind immerhin 20.000 Suchanfragen. Auch du kannst dabei sein. 

Einfach die Seite aufrufen „benefind.de“ bei Auswahl ändern „Help the poor and the needy e.V.“eingeben, bestätigen und lossuchen. Dann einfach die Seite auf dem Hauptbildschirm abspeichern und künftig als Browser benutzen, so spendet ihr Geld ohne es zu merken. 

3. Lest euch einfach mal unsere Homepage durch http://www.helpthepoor.de. Dann wisst ihr was wir machen und habt einen guten Überblick. 

4. Noch mehr Details gibt es auf unserem Blog http://www.empathymitgefuehl.wordpress.de, den du gerade vor dir hast. Hier dokumentiere ich mittlerweile seit 2014 die Arbeit unseres Verein und wie spannend es ist über den Tellerrand Europa hinauszuschauen. 

5. Auch auf Twitter sind wir unter dem Namen helpthepoor.de zu finden. Eine Auswahl der Posts findest du auch auf der Startseite dieses Blogs. Beim Handy bitte nach unten scrollen.

6. Selbstverständlich hat der Verein auch eine fb-Seite. Auch hier werden immer die aktuellen Projekte vorgestellt. Derzeit haben wir 431 Follower (Stand 4.1.17), ein Traum wären ja 500 Likes. Meint ihr wir bekommen das hin?

7. u. 8. Auf WhatsApp und Telegram gibt es mittlerweile sehr aktive Gruppen mit regem Gedankenaustausch und zusätzlich die Broadcasting Funktion bei WhatsApp und einen Kanal bei Telegram, auf dem ausschließlich Informationen versendet werden, ohne Austausch mit anderen. Wer in die Gruppen möchte, bitte kurze email an mich, für den Broadcast auf Whatsapp sendet mir bitte eure Telefonnummer mit Namen an unsere mailadresse, für den Kanal auf Telegram gibt es folgenden Link: 

https://telegram.me/Helpthepoor

9. Bei Instagram unter dem Namen helpthepoor.de findet ihr immer wieder aktuelle Fotos mit Kurzbeschreibungen. 

10. WEITERLEITEN WEITERLEITEN WEITERLEITEN. Alle diese Hinweise dienen dazu den Leser auf den neusten Stand der Projekt zu halten. Eure Hilfe für uns wäre, dass ihr weiterleitet, was ihr gut findet. Ist das ok für euch?

Und falls ihr dann doch mal ein paar Euro übrig hättet, könntet ihr euch zum Beispiel an folgenden Projekten beteiligen.

Ein kleines aber feines Projekt ist unser Glühbirnenprojekt, sehr ausführlich hier auf diesem Blog beschrieben. Es geht um Glühbirnen, die eine kleine Batterie enthalten, damit das Licht nach einem Stromausfall (und den haben wir hier mehrmals täglich) nicht mehr ausgeht, sondern weiter leuchtet. Eine große Hilfe, denn die Alternative sind Kerzen (mittlerweile mussten wir schon 4 Brandopfern bei dem Wiederaufbau ihrer Häuser helfen, Glühbirnen sind definitiv billiger). Eine Glühbirne kostet 5€. Derzeit betreuen wir 140 Familien und würden so gerne jeder Familie eine Glühbirne schenken. 57 Glühbirnen haben wir schon. Geht da noch was?

Andere Projekte findet ihr auf betterplace.org. Das ist eine Crowdfunding-Seite. Hier kann jeder so viel spenden wie er möchte. Derzeit haben wir vier Projekt auf Betterplace stehen. 

Alle Projekte sind im Blog ausführlich beschrieben. Da der Verein gemeinnützig ist, können wir Spendenbescheinigungen ausstellen. Also auch interessant für Firmen. 

Wenn du Lust hast, dich irgendwie einzubringen oder Fragen und Anregungen hast, schicke mir doch eine email. Ich freue mich über jede Nachricht und bemühe mich auch sie noch am gleichen Tag zu beantworten. mail@helpthepoor.de

Danke, dass du diesen Artikel zu Ende gelesen hast. 

Wenn die Angst sich in den Alltag einschleicht

5 Stunden nachdem letzen Artikel auf dieser Seite ereignete sich das, was keiner gewollt, aber viele befürchtet hatten. In einem anfänglichen fast rührenden Telefonat mit dem neu gewählten Präsidenten gratulierte der noch Amtierende ihm vor laufenden Kameras zur gewonnen Wahl. Das war am Abend des 2. Dezembers. Am Abend des 9. Dezembers zog der scheidende Präsident die Zustimmung zu seiner Niederlage wieder zurück und erklärte, dass er alles dafür tun würde, im Amt zu bleiben.

Als erste Reaktion fühlte sich die Bevölkerung irgendwie belustigt. Das Wochenende verging und jeder hoffte, dass er noch zur Besinnung kommt. In den Folgetagen kamen Staatspräsidenten aus anderen West-Afrikanischen Ländern, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Selbst seine Mutter und eine Gruppe der wichtigsten Imame des Landes versuchten ihn zur einer friedlichen Übergabe zu überreden. Doch alles blieb ohne Erfolg. Inzwischen steigerte sich seine Wortwahl in hasserfüllte Drohungen mit der Verwendung des Wortes „Krieg“ und schlug schließlich in die Aberkennung der Wahlergebnisse um. Er fordert es vor dem obersten Gericht zu klären und will am 10.1. Neuwahlen per Gericht erzwingen. Derzeit ist es ein Hin-und Her der Richter, ob sie bleiben oder gehen. Die Situation ist derzeit sehr unübersichtlich.

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Ein Land erwacht

Erst ganz langsam wird mir klar, dass wir im kleinsten Land auf dem afrikanischen Kontinent einem sensationellen Großereignis beigewohnt haben. Jeden Tag gibt es neue Geschichten, die von totaler Begeisterung bis tiefe Trauer reichen.

Die Gambianer hatten die Wahl zwischen drei Kandidaten: dem ehemaligen Präsidenten, einem Vertreter Volksstammes der Fula und einem Vertreter der Maninka, die die größte Volksgruppe in Gambia stellen.

Der ehemalige Präsident hat dieses Mal, warum auch immer, zugelassen, dass es ein Spotcounting (Auszählung im Wahllokal)  gab. Als er dann jedoch bemerkte, dass es knapp wird, wollte er die Wahlurnen ins Statehouse bringen lassen.

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Ein kleines Projekt mit großer Wirkung

Ein kleines Projekt mit großer Wirkung. Leider muss ich schon wieder mit dem Stromproblem in Gambia nerven, aber jetzt scheint eine kleine Lösung zumindest für das Lichtproblem in Aussicht zu sein. Wie ja schon beschrieben, haben wir hier in Gambia oft nur 4 Stunden Strom am Tag.

Tagsüber kann man das managen. Aber wenn es dann dunkel wird, und hier wird es immer so gegen 19 Uhr dunkel, weil wir sehr nah am Äquator sind, und jeden Tag so gegen 7 Uhr hell. Das heißt jeden Tag 12 Stunden Dunkelheit.

Da wir mit unserem Verein uns besonders um die ärmste Bevölkerung kümmern, sind Batterielampen oder gar Solarlampen für die meisten unserer Bedürftigen unerschwinglich. Nur zur Erinnerung, in Gambia und Deutschland sind die Lebensmittelpreise etwa die gleichen, aber in Deutschland verdient man 50x mehr für die gleiche Arbeit. Bei Stromausfall bleiben dann nur noch die Kerzen.

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Elephantiasis …

…. Eine Krankheit die das Leben sehr beschwerlich macht, denn die Gliedmaßen können auf eine ungeahnte Dimension anschwellen und die Betroffenen bewegungsunfähig machen. Elephantiasis kann angeboren sein, in den meisten Fällen ist es aber eine Infektionskrankheit, die durch kleine Würmer ausgelöst wird, die in das Lymphsystem eindringen und es quasi lahmlegen.

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Zwangsweise offline

Aufregende Stunden liegen hinter uns. Gestern wurde in Gambia gewählt. Sie wählten einen neuen Präsidenten. Das ist in Afrika immer eine große Sache. Die Stimmung im Land war seit Wochen schon sehr angespannt. Wir als Normalbürger haben diese Stimmung darin gespürt, dass das Internet immer mehr eingeschränkt wurde, damit so wenig Informationen wie möglich nach außen gehen. Für uns als NGO unerträglich, wenn wir die Sponsoren nicht mehr erreichen können. So quälten wir uns dann über VPN-Server und andere Programme, um mit unseren Freunden und Unterstützern in Kontakt zu bleiben.

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Bitte lasst eure Medikamente nicht in der Schublade vergammeln!

Wohl dem der vom Arzt Medikamente verschrieben bekommt, dann in die Apotheke geht und sie einfach so oder für wenig Geld bekommt. In Gambia ist das leider etwas anders. Hier musst du erst einmal Gebühren bezahlen, um als Patient registriert zu werden, dann bekommst du eine Beratung, und schließlich musst du dir alle Medikamente selbst kaufen. Auch das wäre vielleicht nicht bei allen das Problem. Aber was, wenn es die Medikamente gar nicht gibt? Das passiert leider häufiger als man denkt.

Dazu zunächst eine kleine Geschichte. Eine Bekannte von uns, 46 Jahre alt, litt unter hohem Blutdruck. Gelegentliche Arztbesuche halfen ihr damit umzugehen. Eines Abends fühlte sie sich nicht so gut, alle anderen Familienmitglieder schliefen schon, so machte sie sich alleine auf den Weg zum nächstgelegenen Krankenhaus. Es war nicht weit nur etwa 5 Minuten mit dem Taxi. Dort angekommen stellten sie einen sehr hohen Blutdruck fest, hatten aber derzeit keine Medikamente dagegen.

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Die Sache mit dem Strom

Für unser Projekt „Nähen statt Lampedusa“ haben wir die Anschubfinanzierung schon gesichert. Allerdings ist jetzt ein Problem aufgetreten, mit dem wir so nicht gerechnet haben. Es scheint ein etwas größeres Problem in ganz Gambia mit dem Strom zu geben. Es gibt keine Stromquellen, die hier angezapft werden können. Keine Windenrergie, Solaranlagen nur in Privatbesitz Erdöl sowieso nicht. Es gibt nur Plants (übergroße Generatoren), die natürlich mit Diesel gefüllt werden müssen.

Seit über einem Monat nun gibt es selbst um die Hauptstadt herum nur nachts 4 Stunden Strom. Für eine Nähwerkstatt mit 10 elektrischen Nähmaschinen ein NoGo. Um unser Projekt nicht zu gefährden, wollen wir und nun unabhängig von diesem Problem machen und eine kleine Solaranlage für unsere Nähwerkstatt kaufen. Bisher sind bereits 315€ Spendengeldern eingegangen.

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Hilfe! Wir brauchen eure Hilfe!

Seit 18 Jahren nunmehr leiten wir den Verein „Help the poor and the needy e.V“. Dank großartiger Spender, konnten wir den Ärmsten der Armen helfen, Notfallhilfe leisten, Ausbildungen für eine nachhaltige Stabilisierung der Familien bewirken, Witwenhilfe und vieles andere mehr.

Wie an anderer Stelle schon beschrieben, gehen eure Spenden zu 100% in die Projekte. Um das weiterhin gewährleisten zu können, brauchen wir  „offene Spenden“ d.h. Spenden, die keinem Projekt zugeordnet werden. Diese Spenden werden dazu verwendet, unsere Bürokosten wie 3 Angestellte, Strom, Internet, Telefon, Computer, Büromaterial, Transportkosten etc. zu bezahlen. Derzeit belaufen sich unsere Verwaltungskosten auf 400€ monatlich. Das wurde bisher gedeckt durch Daueraufträge einiger lieber Spender.

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Die Witwen von Gambia …..

…. sie brauchen unsere Unterstützung am dringendsten. Aus diesem Grund haben wir im August das Witwen-Reis-Programm gestartet. Bis jetzt profitieren 18 Witwen davon, indem sie jeden Monat einen Sack Reis von uns bekommen. Obwohl wir stets bemüht sind, nachhaltige Projekte zu initiieren, müssen wir doch auch schauen, wo die Not am größten ist und dort helfen.

Die Mehrheit der bei uns registrierten Witwen leben unter ähnlichen Bedingungen. Einige von ihnen sind noch recht jung mit Mitte 40 und sind Mitglied vom Bakau-Women-Garden. Dort haben sie ein Beet, das sie bewirtschaften können, und den Ertrag auf dem Markt verkaufen. Der Ertrag reicht mit ein wenig Glück für das tägliche Fishmoney. Doch ein monatlicher 50 Kg Sack Reis für 25€ oder gar Schulgebühren für die Kinder ist davon nicht finanzierbar. In Gesprächen mit ihnen dreht sich immer alles um den monatlichen Sack Reis. Wenn du den hast, gehst du wenigstens nicht hungrig schlafen.

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Nähen statt Lampedusa Teil II

Frau Merkel reist durch Afrika und versucht den Afrikanern zu erklären, dass Europa nicht so ist, wie sie sich das vorstellen. Sie bleibt ein paar Stunden an einem Ort, hält eine Rede, und weg ist sie wieder. Schönes Schauspiel. Wir reden uns hier jahrelang den Mund fusselig und kommen gegen den Europavirus nicht an.

Wie in der eigenen Familie erlebt, hält selbst ein Angebot, ihnen einen Laden einzurichten, die ganz Hartnäckigen nicht davon ab, ihr Leben zu riskieren. Dennoch wollen wir nichts unversucht lassen, vielleicht doch einige Leben zu retten, in dem wir den jungen Männern eine Ausbildung zum Schneider anbieten. Das ist natürlich auch keine Garantie, aber ein Anfang. Die Idee ist folgende:

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Bewegende Momente

Eigentlich wollte ich diesen Blog sofort schreiben, als ich wieder zu Hause war, doch ich war immer noch so gerührt von dem, was ich gesehen hatte, dass ich es wohl erst einmal verarbeiten musste.

Wie ihr ja wisst, helfen wir viel in dem Dorf Kuloro – Dar-us-Salam (kurz: Kuloro). Weil es dort aber so viel Armut gibt, sehen wir immer mehr Schicksale, und es entwickelt sich zu einer Never-Ending-Story. Und das ist gar nicht böse gemeint, denn wir gepamperten Westeuropäer können hier viel wieder gut machen. Wer von meinen Lesern an das Paradies glaubt und die Aktionen, die es erfordert dorthin zu kommen, kann hier tätig werden und viele gute Taten sammeln.

Doch nun zur Geschichte selbst. Bei unserem ersten Besuch in Kuloro begegnete ich einer Frau, die mich spontan umarmte und mit den paar Worten Englisch, die sie sprach, mich wiederholt als ihre Freundin bezeichnete. Sie war dabei immer so fröhlich, dass mir ganz warm ums Herz wurde.

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Regenzeitopfer

Wir kennen sie alle, die Bilder von Unwetteropfern. Sei es aus fernen Ländern oder nur einige Kilometer entfernt aus dem eigenen Land. Umgestürzte Bäume, Hochwasser, heruntergefallene Ziegel oder zerstörte Autos. Wir fühlen Mitleid mit den Betroffenen und der nächste Gedanke ist dann, wie kann geholfen werden? Doch mal ehrlich, der übernächste Gedanke ist dann ….. das regelt die Versicherung oder darum muss sich die Regierung kümmern… und schwupp ist der Mitleidsgedanke wieder weg. Not so?


Ganz anders in Gambia. Über die von der Weltbank errechnete Armutsgrenze von knapp 2 Dollar pro Tag, können wir hier nur lächeln. 2 Dollar pro Tag (60 Dollar pro Monat) ist hier ein Gehalt eines mittleren Angestellten. Wovon reden wir dann bei einfachen Arbeitern oder gar Arbeitslosen? Und was passiert, wenn sie ihre Dächer durch einen Sturm verlieren? Die  Dann springt keine Versicherung ein und die Regierung schon einmal gar nicht. 

Denjenigen, die nicht einmal genug zum Essen haben, bleibt also nichts weiter übrig, als ihre Dächer mit Sandsäcken oder Autoreifen zu sichern und zu beten, dass das Dach nicht wegfliegt. Vielleicht auch in der Hoffnung, dass damit einige der Löcher abgedeckt werden, durch die es immer wieder ins Innere hineinregnet. 




So schön die Sonnenpunkte auf dem Lehmbett auch aussehen. Wenn es regnet, haben die Löcher eine andere Wirkung. 

Ich kann euch noch unzählige Geschichten Betroffener erzählen, doch möchte ich diese Gelegenheit lieber nutzen, um an unser Notfallkonto zu erinnern. Uns erreichen beinahe täglich Notrufe von Hilfesuchenden, die Probleme mit den Wassermassen, die in Afrika während der Regenzeit vom Himmel kommen. Das ist nicht zu vergleichen mit einem deutschen Regen. Die Zerstörung anschließend ist oft groß, auch weil die Häuser aus Armutsgründen meist nur aus Lehm mit Wellblech gebaut sind. Zementblocks sind einfach zu teuer. 

Ich weiß, es ist immer schöner für eine bestimmte Person, ein Schulkind, oder eine Witwe zu spenden. Doch was mit den vielen noch nicht namentlich Genannten, die unsere Hilfe vielleicht noch dringender brauchen. Bitte spendet auch für sie unter dem Vermerk „Notfallhilfe“. Wasser, Wind und auch Feuer haben schon soviele Wohnsituationen von Menschen zerstört, die sich den Wiederaufbau nicht leisten können. Gerade vorgestern, kurz bevor wir in „unser“ Dorf aufgebrochen sind, kam unsere Nachbarin vom Büro ca. 80 Jahre alt und flehte uns an, ihr zu helfen. Aus einer Wand ihres Hauses sind beim letzten Regen schon einige Steine herausgefallen und nun droht die Wand mit der Eingangtür und damit das ganze Haus einzustürzen. Hier ist nicht nur ein Sachschaden abzusehen, sondern auch Menschenleben in Gefahr. 


Auch wir selbst hatten Probleme und sind nicht überall leicht durch gekommen. In manchen Momenten wurde auch mir etwas bange ums Herz. Aber Gott sei’s gedankt, wir konnten unsere Projektrundfahrt erfolgreich beenden. 


Wer von euch für die vielen Opfer der jährlichen Regenzeit spenden möchte, kann dies gerne hier tun.

Help the poor and the needy e.V.

Verwendungszweck: Notfallhilfe

Ich danke für eure Aufmerksamkeit, dass ihr diesen Artikel zu Ende gelesen habt. 

Die Koranschule im neuen Glanz

Erinnert ihr euch? Im November 2015 brannte die Koranschule von Sheikh Chabbo Cham vollständig aus. Es blieben nur noch die Grundmauern stehen. 

Selbst das Dach war komplett zerstört. Mit eurer Hilfe bauten sie dann zunächst das Dach wieder auf, um vor der nahenden Regenzeit sicher zu sein. Das war der erste und teuerste Schritt. 


Mit den nächsten Spenden wurde dann die Deckenverkleidung, die Ventilatoren und das Streichen der Wände vorgenommen. 


Nun fehlen noch die Fliesen, die Moskitonetze an den Fenstern und vielleicht ein paar Teppiche für den Fußboden. Ihr seht, euer Geld wurde gut investiert. Bitte nicht aufhören zu spenden. Die Schule ist noch nicht wieder ganz im alten Zustand. 

Spenden bitte an: 

Bitte immer angeben: VZ Koranschule

Tobaski hat nichts mit Tobacco zu tun

Tobaski ist der gambische Name für das Opferfest der Muslime, im Arabsichen Id-ul-Adha genannt. Es wird am 10. Tag des Dhu-l-Hiddscha (in diesem Jahr voraussichtlich am 12.9.) gefeiert, am Ende der großen Pilgerfahrt nach Mekka. Es ist das größte Fest der Muslime und führt auf die Begebenheit Ibrahims (Abrahams) zurück, als Gott ihn aufforderte Ihm sein Liebstes, seinen Sohn, zu opfern. Ibrahim tat, wie ihm befohlen wurde. Gott erließ ihm daraufhin das Opfer und tauschte den Sohn gegen einen Hammel aus. 
In Erinnerung an diese sowohl biblische als auch koranische Geschichte, gedenken die Muslime dieser aufopferungsvollen Gottesfurcht Ibrahims, in dem sie einmal jährlich einen Hammel oder ein anderes Weidetier schlachten. 

Eine Überlieferung des Propheten Muhammad (sws) lautet dazu: „Oh Ihr Leute, es obliegt der Familie eines jeden Hauses, jedes Jahr ein Opfertier zu schlachten. (Hassan Ibn Ahmad, Abu Dawud)

Auch in Gambia ist es das größte Fest im Jahr, und das ganze Land freut sich auf das große Beten. Jeder zieht neue Kleider an, und die Familien gehen geschlossen in die Moscheen. Wenn das Wetter gut ist, wird auf den Vorplätzen der Moscheen gebetet unter Palmen und blauem Himmel. Da Gambia ein sehr farbenfrohes Land ist, ist die Begegnung mit den vielen Menschen ein wahre Augenweide. Nach dem Beten gehen alle nach Hause, um ihr Schaf zu schlachten. 

In meinen Posts oder emails habt ihr vielleicht schon gelesen, dass wir dazu aufrufen, Opfertiere nach Gambia zu spenden. Dieses Opfertier heißt bei den Muslimen Qurban. Das Wort Qurban kommt von dem Verb „qaruba“, das im Arabischen soviel heißt wie „sich nähern“. 

Damit ist der Zweck des Opferns weder das Fleisch noch das Töten, sondern das „Sich-Annähern“ an Gott. So steht es auch im Quran geschrieben: 

Sicher erreicht nicht ihr Fleisch Allah, und nicht ihr Blut, sondern es erreicht ihn die Gottesfurcht von euch. (22:37)

Unter dem Gesichtspunkt, dass nur ein Teil des Fleisches selbst gegessen, der größere Teil jedoch gespendet werden sollte, stärkt das jährliche Opfern die Solidarität und den Geist der Gemeinschaft. Diese Gewohnheit des Teilens ist somit ein Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit, denn auch die Empfänger fühlen eine Dankbarkeit gegenüber Allah und fühlen sich als angesehene Mitglieder der Gesellschaft. Die so empfundene Solidarität lässt keinen Neid oder andere feindlichen Gefühle entstehen, die sonst durch Ungerechtigkeiten hervorgerufen werden können. 

Da in Deutschland das private Schlachten verboten ist, spenden viele ihre Qurban in Länder, in denen sich die meisten Menschen keinen eigenen Hammel leisten können. So haben die wohlhabenden Muslime ihre Opferpflicht erfüllt, und die ärmere Bevölkerung hat die Chance sich ebenso als Mitglieder der islamischen Gemeinschaft zu fühlen.  

Diese Geste lässt die Gemeinschaft immer wieder näher zusammenrücken und ruft zum Mitgefühl auf. Da wir unter unseren Followern auch Nicht-Muslime haben, die vielleicht mit dem Brauch des Opferfests nicht vertraut sind, war es mir ein Bedürfnis, dazu ein paar erklärende Worte zu posten. 

Fragen und Anregungen gerne unter 

mail@helpthepoor.de

Was ist „das sprechende Vögelchen“?

Gambia hat als kleinstes Land auf dem afrikanischen Kontinent „nur“ acht Volksgruppen und deren Sprachen. Kenia beispielsweise hat etwa 40 Volksgruppen und Nigeria über 400. Dennoch sind sich auch die acht in Gambia nicht immer grün. Besonders in punkto Sprachen. 

Die größte Bevölkerungsgruppen nach ihrer Häufigkeit gegliedert sind Mandinka, Fula, Wollof, Jola, Serahule und Serer. Die Mandinka-Bevölkerung war früher Bestand des Malinke-Reichs, das heute noch 7 Länder umfasst. Wollof hingegen wird nur in Senegal und Gambia gesprochen. Irgendwie wird es dennoch von der Mehrheit der Bevölkerung stillschweigend hingenommen, dass die drittgrößte Gruppe der Wollof (16%) den Ton angibt. Die meisten Wollofs leben in der Hauptstadt und arbeiten in der Regierung, also ….. So ist es üblich, wenn du bespielsweise ein Taxi besteigst, dass Fahrer und Fahrgast miteinander Wollof sprechen, obwohl vielleicht beide Mandinka sind. Die Hassliebe unter den Volkgruppen geht so weit, wie auch in anderen Regionen der Welt üblich, dass ein Mädchen aus der einen auf keinen Fall einen Mann aus der anderen heiraten sollte. Nun ja, das sind glücklicherweise immer mehr Ausnahmen.  

Obwohl die Mandinka (42%) mit Abstand die größte Bevölkerungsgruppe sind, ordnen sie sich sprachlich quasi unter und sprechen Mandinka nur, wenn sie unter sich sind. Einigen Mandinka gefällt das gar nicht, und sie kultivieren regelrecht ihre Sprache und ihre Kultur. Die Mandinka-Sprache hat Elemente aus dem Arabischen, einige portugiesische, französische und natürlich auch englische Wörter. Besonders die modernen Dinge des Alltags sind der Einfachheit wegen aus dem Englischen übernommen. Nun gibt es eine Tendenz, dass auch diese Wörter wieder „re-mandinkanisiert“ werden sollen. Dabei entstehen entzückende Worte, die ich euch nicht vorenthalten möchte. 

So ist beispielsweise ein Computer auf Mandinka „fending no la ba“ (übersetzt: ein Gerät, das alles weiß). Ein Flugzeug ist „kulung tila“ (übersetzt: ein Schiff, das fliegt) und ein Professor ist ein „lo na ba“ (übersetzt: er weiß viel). Meine absoluten Lieblingsworte sind aber die Mandinka-Worte für Telefon „kunun-ding kumala“ (übersetzt: das sprechende Vögelchen) und das für Radio „Kunneh-ring diamula“ (übersetzt: die kleine sprechende Box). Ist das nicht wunderbar? Nun schauen wir mal, ob sich die Tradionalisten mit ihrer Sprachoriginalität durchsetzen können, und die neumodischen Wörter wie Radio, Telefono, Pley-no, Boat oder Professor aus dem Wortschatz verschwinden. 

Aufmerksam wurden wir auf dieses Phänomen durch eine Radiosendung, in der der Wunsch der Traditionalisten diskutiert wurde. Für die Sprache und die Kultur wäre es bestimmt eine Bereicherung, doch vielleicht sollte es doch jedem überlassen bleiben, welches Wort er benutzt, so lange alle immer noch wissen, wovon der andere spricht. 

Probleme, die keiner ahnt

Oft werden wir gefragt, ob das eine oder andere Projekt, das von unseren lieben Unterstützern in Deutschland finanziert wird, denn schon angelaufen ist. Da in Gambia die Mühlen etwas langsamer und etwas umständlicher mahlen, und ich sehr gut verstehe, dass in dem schnelllebigen Deutschland den hier vorgegebenen Rhythmus kein Mensch nachempfinden kann (ich hatte auch große Mühe das anzunehmen), möchte ich euch etwas aus unserem NGO-Alltag berichten. Ich greife jetzt mal eine beliebige Zeitspanne aus unserem Alltag heraus und schildere euch unsere Arbeit.

Eines vorne weg. Ich liebe meine Arbeit für den NGO. Ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen, den Ärmsten dieser Welt, das Leben ein wenig lebenswerter machen. In glückliche Augen schauen, ein Lächeln zu bekommen und jeden Abend mit dem Gefühl ins Bett zu gehen, etwas Gutes getan zu haben. Wenn die nachfolgende Ausführung jetzt vielleicht etwas zäh klingt, dann soll es nur zeigen, dass es nicht so easy-Going ist wie in Europa, sondern oft mit einigen Hindernissen verbunden ist.

Tag 1

Wissend, dass am folgenden Tag unsere erste Reisausgabe für die Witwen sein wird, müssen noch viele Arbeiten zuvor erledigt werden. Der Großhändler muss informiert werden, dass er 17 Säcke Reis bereit hält, und die Witwen müssen informiert werden, am nächsten Tag zum Treffpunkt zu kommen. Glücklicherweise war das der erste Arbeitstag eines neuen Mitarbeiters, der vorher schon stundenweise bei uns gearbeitet hatte. Im Vorfeld dieser Aktion mussten natürlich die ersten Witwen, für die Sponsoren gesucht wurden, aus einer Masse von mehr als 70 Witwen selektiert werden. Das nahm auch etwa einen halben Tag in Anspruch. Nun sind sie aber ausgesucht, haben einen Sponsor gefunden, das auch etwa vier Wochen Arbeit war, und sie sollen morgen für ihren ersten Reissack kommen. Sie zu erreichen, stellte sich dann auch als schwerer heraus als erwartet. Viele arbeiten den ganzen Tag im Garten, und sind nicht erreichbar. Andere hatten die Telefonnummer der Kinder angegeben, die dann vergaßen der Mutter Bescheid zu sagen. Wieder andere hatten ihre Nummer geändert usw….. Schließlich nahm unsere Mitarbeiterin die Liste mit nach Hause und wollte es abends noch weiter versuchen.

Der Großhändler musste auch besser persönlich aufgesucht werden, da das Telefon als Hilfsmittel für Geschäftsabschlüsse in Gambia nicht wirklich anerkannt ist. Ihr seht mal eben schnell die Säcke bestellen und mal eben schnell die Empfänger anrufen ist nicht.

Die Auswahl der Witwen war auch nicht ohne. Jedes Mitglied bei uns muss einen Antrag ausfüllen und seine Lebenssituation beschreiben. Da die meisten Analphabeten sind, muss es auch dafür einen Mitarbeiter geben, der die ganze Sache aufnimmt. Außerdem ist das Formular in Englisch. Da die Betreffenden aber oft nicht zur Schule gegangen sind, muss es also erstmal in Mandinka übersetzt werden. Bei der Frage nach der Telefonnummer zücken sie dann ihr Handy und erwarten, dass du ihre Nummer in dem Handy suchst. Sie sind alle so süß, dass ich sie immer nur knuddeln könnte, wenn es nicht alles so viel Arbeit machen würde.

Eine liebe Spenderin hat für sieben Frauen ein Start-Up Kapital von 50€ gespendet. Auch das musste gut vorbereitet werden. Wieder die etwas mühselige Auswahl und dann das Informieren der Empfängerinnen. Soweit so gut, inzwischen sind alle informiert, und wir beten, dass am nächsten Tag alles glatt geht.

Nicht zu vergessen die täglichen Neuaufnahmen, die dann im Team diskutiert werden müssen und die naja, nicht so spannende Buchhaltung. Parallel zu alledem immer wieder den Mitgliederstand durchsehen, wer kann bleiben und wessen Situation hat sich so verbessert, dass er einem anderen Platz machen kann.

Tag 2

Morgens Treffen beim Großhändler zur Reisausgabe. Hier ging es dann mal richtig turbulent zu. Von einigen, besonders den Gehbehinderten, kamen die Kinder. Nun hieß es alle richtig zu ordnen, dann dem Gewusel der Schubkarrenfahrer Herr werden, doch am Ende gab es jede glückliche Gesichter und jede Menge Gebete für die Sponsoren.

img_0244Nachdem die letzte Witwe zwei Stunden zu spät gekommen war, schnell zurück ins Büro, weil dort schon die Start-Up-Frauen warteten. Obwohl das Start-Up ein Geschenk ist, lassen wir die Frauen den Betrag in 10 Monatsbeträgen wieder zurückzahlen, um es ihnen nach der Rückzahlung noch einmal zu geben. Diese Aktion dient dazu, dass sie es ernst meinen und seriös mit dem Geld umgehen. Anderenfalls muss man bei so großer Armut damit rechnen, dass andere Dinge von dem Geld bezahlt werden. Ein vorbereiteter Rückzahlungsplan und einige Regeln wurde ihnen ausgehändigt, dann mit Fingerabdruck unterschrieben, und alle waren glücklich. Wieder Gebete für die Spenderin, und sie gingen nach Hause.

Mittlerweile war es etwa 14 Uhr, und ich wunderte mich, dass während der ganzen Zeit ein junger Mann erst bei der Reisausgabe, dann im Büro anwesend war, den wir nicht kannten. Aber wir waren alle so beschäftigt, dass keiner richtig Zeit für ihn hatte. Als dann endlich alle Frauen weg waren, konnte wir uns ihm widmen. Er ist ein Witwer, hat mit seiner ersten Frau 5 Kinder, dann ist die Frau gestorben, mit seiner zweiten Frau hat er 4 Kinder, doch sie ist auch gestorben. Er ist Maurer und ist bei seiner Arbeit vom Dach gefallen und nun arbeitsunfähig. Er harrte aus bis wir Zeit für ihn hatten. Als Team beschlossen wir, dass sein Fall sehr eilig ist. So setzte ich ihn gleich mit einem Hilfegesuch in Facebook und Whatsapp.  Abends dann noch WhatsApp und Facebook-Korrespondenz und die leidige Buchhaltung des Tages.

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Tag 3

Heute widmen wir uns dem abgebrannten Haus von Assan Fatty. Die gespendeten Euros wurden gewechselt, und unser Mitarbeiter fuhr in die Hauptstadt, um sich mit Assan zu treffen und die Baumaterialien zu kaufen. Das Geld reichte exakt für die Hälfte der benötigten Materialien. Er brauchte 4 Pakete Wellblech, wir haben ihm 2 gekauft, er brauchte 20 Säcke Zement, er bekam 10. Aber er kann jetzt anfangen, und so Gott will, können wir ihm noch weiter helfen. Und immer wieder Fotos machen, und alles für die Spender dokumentieren.

Zwischendurch immer wieder an die Möglichkeit erinnern, dass man bei uns für das kommende Opferfest sein Kurban spenden kann.

Und wenn es gerade keine aktuellen Projekte zu bearbeiten gibt, müssen immer wieder die Datensätze aktualisiert, Digitalfotos von den Mitgliedern gemacht und neue Antragsteller interviewt werden.

Tag 4

Unser Computer, mein ehemaliges Apple-Notebook, hat den Geist aufgegeben. Aus Sicherheitsgründen haben wir es nach getaner Arbeit immer einem befreundeten Ladenbesitzer zur Aufbewahrung gegeben. Bei der letzten Abholung war die Tüte voller Kakerlaken  und der Rechner ging zwar noch an, aber der Bildschirm blieb schwarz. Da an dem Rechner sowieso schon so viel repariert wurde, musste nun ein neuer her. So galt es ein paar Telefonate zu tätigen, und unseren Nachbarn zu besuchen, der ein Computergeschäft hat, und zwei Tage später wurde das gute Stück dann geliefert. Diesmal ein Dell-Tischrechner. Glücklicherweise hatten wir ein Update auf einem USB-Stick.

Am Wochenende ist ein Besuch in dem Dorf Dar-us-Salam Kuloro geplant, wo wir in Kooperation mit Nächstenliebe ohne Grenzen e.V. eine Moschee bauen, das Dach einer Bäckerei erneuerten und dem Arabischlehrer, er mit seiner ganzen Familie auf dem nackten Boden schläft, Matratzen zukommen lassen wollen.

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Also müssen die Matratzen gekauft und der Transport ins Dorf organisiert werden. Gesagt getan, zwei Stunden später waren die Matratzen bei uns zu Hause, bereit für ihren nächsten Bestimmungsort. Die Organisation des Transports in das eine Stunde entfernte Dorf gestaltete sich jedoch nicht so einfach, weil wir ein Taxi mit Dachgepäckträger brauchten. Also alle bekannten Taxifahrer angerufen, und gefragt ob sie jemand mit einem Gepäckträger kennen.

Tag 5

Freitags ist unser Büro geschlossen. Das gab mir die Gelegenheit, wieder etwas zu posten, an diesem Artikel zu arbeiten und ein wenig konzeptionelle Arbeit zu leisten. Auch die vielen Fotos, mit denen unsere Arbeit dokumentiert wird, müssen dringend sortiert und in die entsprechenden Ordner abgelegt werden. Derzeit arbeiten wir intensiv an unserer Empfängergruppe, um wirklich den Ärmsten die bestmögliche Unterstützung zu geben. Zu diesem Zweck werden wir für jedes Mitglied eine ID-Karte ausgeben, die dann dazu berechtigt, an unseren Projekten teilzunehmen. Dazu müssen immer wieder die Personen eingeladen werden, um Digitalfotos von ihnen zu nehmen.

Außerdem nutzte ich dann noch die Zeit, um mal wieder Büromaterial einzukaufen. Während meiner Zeit in Deutschland ist hier einiges zu Ende gegangen.

Tag 6

Heute wollen wir nach Kuloro-Dar-us-Salam fahren, aber es ist mal wieder der Clean-the-nation-day. Dieser Tag findet hier 1-2 mal im Monat an einem Samstag statt. Die Mitteilung dazu bekommst du einen Tag vorher per SMS auf dein Handy. An diesem Tag dürfen von 9-13 Uhr keine Autos fahren, keine Geschäfte öffnen, und jeder soll vor seiner eigenen Haustür saubermachen. Soweit so gut, aber unser Trip nach Kuloro, musste damit spontan auf nachmittags verschoben werden. Wir haben ja sonst nichts zu tun. 😉 Und immer wieder der Blick in den Himmel, schließlich haben wir Regenzeit, und ein Platzregen wäre für die Matratzen nicht so vorteilhaft. 

Schließlich war es dann aber doch sehr schön in Kuloro. Wir konnten die Matratzen ausliefern, haben den Bürgermeister kennen gelernt, konnten das neu gedeckte Dach der Bäckerei bewundern, und den Fortschritt der Moschee. Außerdem genieße ich immer diese totale Ruhe dort. Als Großstadtkind ist es für mich immer schwer vorstellbar, dass es Orte gibt, die so eine Ruhe ausstrahlen. Beschenkt mit einer Flasche reinen Honig und einigen Mangos, verließen wir dann das Dorf wieder, um uns auf unsere 1 stündige Rückfahrt zu begeben.

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Tag 7

Sonntag war Pause. Obwohl so ganz Pause ist ja eh nie bei mir. Die Korrespondenz über Twitter, fb, Telegramm, WhatsApp, Instagram geht sowieso weiter, und die tollen Erlebnisse des Vortages wollen ja auch unter die Leute gebracht werden. Schließlich müsst ihr ja wissen, wo eure Spenden bleiben. Damit meine ich auch die lieben Spender die ohne Angaben von Projekten spenden. Dieses Geld nutzen wir dann für Fahrten zu den Projekten oder für Helfer, die Internetkosten, unsere Mitarbeiter, Strom etc. Ohne die selbstlose Hilfe dieser Spender könnten wir unser Büro gar nicht aufrecht erhalten. Allerdings steigen die Kosten, so sind neue Spender auch immer gern gesehen. Für den morgigen Tag beispielsweise ist geplant eine neue Mitarbeiterin für die Buchhaltung und andere Schreibarbeiten einzustellen.

Sie wird natürlich viel am Computer arbeiten. Wie jeder weiß braucht ein Tischrechner Strom, sonst geht gar nichts. Doch auch diese für Westeuropäer größte Selbstverständlichkeit ist für Afrika wie Russisch Roulette. Morgens kommst du ins Büro und schaust erst einmal bange auf den Zähler. Ok, Strom ist da, dann schnell anfangen. Doch nicht selten ist er dann plötzlich ohne Vorankündigung für Stunden wieder weg. Nun, wir haben damit leben gelernt. Zum einen konnten wir diesem Phänomen sogar etwas gutes abgewinnen, oder wann habt ihr das letzte Mal mit euren Kindern zusammen gesessen und über Papas oder Mamas Kindheit bei Kerzenschein oder Batterielampen gesprochen, und zum anderen sind wir uns sehr bewußt, dass fließendes Wasser und Strom aus der Steckdose ein Geschenk sind, das wir zu würdigen wissen.

Tag 8

Unsere neue Mitarbeiterin ist da. Ein ganz liebes Mädchen, gute Kenntnisse in der Arbeit mit dem Computer und sehr bereit, mehr über die NGO-Arbeit und vor allem auch über den Islam zu lernen. Nun dann, schauen wir mal, wie wir uns gegenseitig helfen können.

In diesen Tagen liegt im Büro unser Schwerpunkt in der Bereinigung unserer Empfänger-Datenbank. Wie wir gehört haben, gibt es immer wieder Personen, die sich von uns helfen lassen, obwohl sich ihre eigene Situation durch Kinder im Ausland oder eine gute Heirat massiv verbessert haben. Es hat uns zwei Tage gekostet diese Informationen herauszufinden und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Tag 9

Vormittags weiter an unserer Ermittlungsarbeit, unsere neue Mitarbeiterin in unsere Buchhaltung eingewiesen und weiter an dem Witwen-Reis-Programm gearbeitet.

Nachmittags sind wir dann den Bitten von 3 unserer Unterstützer aus Deutschland nachgegangen. Zum einen haben wir einem Herrn Geld einer lieben Freundin ausgehändigt, der damit seine und andere Familien in einem etwas weiter entfernten Ort unterstützt, und wir haben 2 Hammel mit den gewünschten Bittgebeten für die Betroffenen geschlachtet und das Fleisch als Spende ausgegeben.

Tag 10

Eigentlich Pause, aber dann noch an dem Artikel weitergeschrieben und Korrespondenz erledigt. Morgens kam die Nachricht, dass die 52-jährige Mutter eines guten Freundes ganz plötzlich verstorben ist. Das lässt mich dann wieder so an die Endlichkeit unseres Daseins in dieser Welt denken. Warum wir eigentlich hier sind, und in welchem Zustand wir diese Welt wieder verlassen sollten. Für mich ein Ansporn noch mehr gute Taten zu sammeln, damit vielleicht ein Teil meiner schlechten dadurch getilgt wird.

Nun habe ich euch die letzten 10 Tage unseres NGO-Lebens und die damit verbundenen Hindernisse geschildert, in der Hoffnung dass ihr unsere Arbeit jetzt vielleicht besser versteht, und auch warum vielleicht nicht alles immer so schnell umgesetzt werden kann, wie aus Deutschland gewohnt. Doch seid versichert, dass wir uns nach Kräften bemühen, eure Wünsche bestmöglich umzusetzen. Ich stelle weiterhin fest, dass diese gewisse Entschleunigung mir persönlich besonders gesundheitlich letztlich sehr gut tut, und vielleicht jeder mal darüber nachdenken könnte, ob nicht auch in seinem Leben eine Entschleunigung möglich wäre.

Wer gerne mehr über unsere Arbeit wissen möchte, kann sich gerne bei uns melden. 

mail(at)helpthepoor.de

Assan Fatty 

Das ist Assan Fatty. Er steht vor einer Wand seines völlig abgebrannten Wohnhauses. Wie der Brand ausgelöst wurde, ist noch nicht so ganz geklärt. Aber er hat alles verloren. Seine Frau und seine 21-jährige Tochter leben jetzt in den Trümmern oder kommen hin- und wieder bei Verwandten unter. Das Problem ist, dass jetzt die Regenzeit angefangen hat. So ist das Schlafen im Freien jetzt auch nicht mehr möglich. Es gibt noch mehr Fotos von dem abgebrannten Haus. Leider kann ich in diesem Blog immer nur eins posten. Er braucht wirklich alles neu. Er hat keine Möbel mehr, er braucht Baumaterial, Kleidung eben alles, da er alles verloren hat. 

Wer Assan und seiner Familie helfen möchte, kann es über unser Konto:

IBAN DE47100205000003291200 oder

Paypal: spenden@helpthepoor.de oder

über unser Nothilfe-Programm von Betterplace: http://www.betterplace.org/p31292

Bitte gebt bei den Spenden den Namen Assan Fatty an, damit die Spenden wirklich eins zu eins zu ihm gehen. 

Alles Gute zum Ramadan-Fest

Help the poor and the needy e.V. bedankt sich für all die vielen Spenden und wünscht euch ein gesegnetes Opferfest. In Gambia wird am Mittwoch gebetet, aber wir konnten am Montag schon die drei gespendeten Bullen schlachten und das Fleisch an die Armen verteilen. Sie kamen in Scharen in unser Büro, glücklich zum Fest Fleisch zu haben, dass sie sich normalerweise nie leisten könnten. 

Es war ein sehr gesegneter Ramadan, und wir konnten mit eurer und Allahs Hilfe viel Gutes tun. Vielleicht könnt ihr es euch nicht vorstellen, aber für die Bedürftigen, die wir versorgen, ist es etwas ganz Besonderes, Fleisch zu essen. Ich suche gerade nach einem Vergleich, um euch dieses Gefühl zu beschreiben, aber da wir uns ja in der Regel alles kaufen können, worauf wir Appetit haben, kann ich euch dieses Gefühl nur schwer vermitteln. 

Es gibt eine Schwester, die schon eine Reihe von Selbsttests durchgeführt hat, um annähernd das Gefühl nachzuempfinden, dass die Armen empfinden, wenn sie ohne Strom oder ohne Wasser leben müssen, oder tagein tagaus zu allen Mahlzeiten Reis essen, da alles andere zu teuer ist. Ich denke, erst wenn man das alles selbst gesehen oder gefühlt hat, kann man verstehen, wie es in anderen Ecken der Welt wirklich zu geht. 

Daher ist es umso wichtiger, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können, dass sich die Ärmsten der Armen etwas besser fühlen. Wir wollen aber nicht nur die größte Not lindern, sondern auch nachhaltig Hilfe leisten.  Wenn ihr dabei sein wollt, könnt ihr diesen Blog abonnieren oder unsere fb-Seite liken. Auch wenn ihr selbst nicht helfen könnt, wäre es dennoch zu schön, wenn mehr Freunde auf unsere Seiten aufmerksam würden. 

Wer Fragen hat, kann mich gerne kontaktieren: mail@helpthepoor.de

Wer spenden möchte, kann dies hier tun:

Help the poor and the needy e.V.

IBAN DE47100205003291200

BIC BFSWDE33BER

Ich wünsche allen Muslimen noch schöne Feiertage und allen anderen noch einen schönen Sommer. 

Mussu

Mussu ist Witwe. Das ist soweit erstmal nichts Besonderes, da wir über 70 Witwen in unserem Programm haben. Doch möchte ich eure Aufmerksamkeit auf ihr Schicksal lenken, weil sie noch ein viel größeres Los zu ertragen hat als manch andere Witwe. Als vor 3Jahren ihr Mann gestorben ist, hat er sie mit 8 Kindern zurück gelassen, die sie jetzt allein versorgen muss. Keine leichte Aufgabe. Das wissen auch wir, die vielleicht zwei, drei oder vier Kinder haben. Viele von uns stöhnen ja schon als Hausfrau mit zwei Kindern voll versorgt durch den Ehemann oder den Staat. 

Als ob das nun nicht schon alles schlimm genug ist, hatte sie vor einiger Zeit auch noch einen Schlaganfall und ist komplett linksseitig gelähmt. Sie versucht zu laufen, doch es fällt ihr enorm schwer. Sie schiebt das rechte Bein vor und zieht das linke mühsam nach. Wenn sie außer Haus muss, kann sie die Strecke nur mit einem Taxi bewältigen, doch das ist teuer. 

Um Witwen wie Mussu zu helfen, bietet sich an, ihr monatlich einen Sack Reis zu schenken. Reis ist das Grundnahrungsmittel in Gambia und das Hauptproblem für die meisten armen Familien. Wenn sie den Reis, haben und sich „nur“ noch um die Beilagen kümmern müssen, ist ihnen schon viel geholfen. Das Einkommen eines einfachen Arbeiters liegt bei 30€. Ein Sack Reis kostet im günstigsten Fall 25€. Da bleibt nicht viel übrig. 

Wir haben schon länger vor ein Witwen-Reis-Programm ins Leben zu rufen. Mit Mussu wollen wir jetzt den Anfang machen. Wer könnte sich vorstellen, vielleicht auch als Gruppe, monatlich 25€ zu überweisen, um Witwen wie Mussu, einen 50 Kg Sack Bruchreis jeden Monat zu ermöglichen. 

Ich werde jetzt nach und nach immer wieder Witwen vorstellen, die dringend unsere Hilfe brauchen. 

Wer Interesse hat, melde ich bitte bei mir per Email (mail@helpthepoor.de), damit es nicht zu Mehrfachspenden für eine Witwe kommt. Sollte es mehrere Spender für eine Witwe geben, stelle ich den Betreffenden umgehend eine andere Witwe vor. 

Es würde mich freuen, wenn wir mit eurer Hilfe diese Witwen-Reis-Programm starten könnten, dass möglichst vielen Witwen ihren monatlichen Reis sichert. 

Noch mehr Essen für die Armen

Diesen Ramadan sind wir wirklich reichlich gesegnet. Der Verein Al-Rahma e.V. hat uns auch noch großzügig unterstützt. So konnten wir am Donnerstag noch 2 Kühe schlachten und Öl und Reis an die Bedürftigen ausgeben. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie glücklich sowohl die Spender als auch die Empfänger mit der Spende sind. Es ist eine Win-Win-Situation, das was sie Wirtschaft immer wieder propagiert wird hier praktiziert. Die Spender bekommen eine gute Tat gut geschrieben, und die Empfänger werden vor dem schlimmsten Hunger bewahrt.

Spenden ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Etwas von seinem Besitz abzugeben, fällt nicht jedem leicht. Doch wenn es dann einmal getan ist, gibt es dem Spender in der Regel eine mit nichts zu vergleichende Zufriedenheit.

Wer Gutes tut, tut es für seine eigene Seele…      Quran 45:15

So konnten wir am Donnerstag wieder weit über einhundert Bedürftige mit Fleisch versorgen, das sie sich selbst nie kaufen könnten, da ein Kilogramm Fleisch etwa 15% eines monatlichen Arbeitslohnes kostet. Es war eine große Freude für die Empfänger gerade in den letzten 10 Tagen des Ramadans noch einmal ein so schönes Geschenk zu bekommen. Möge Allah die Spenden mit den höchsten Stufen im Paradies belohnen.

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Kein Brot in der Regenzeit

Als wir letztens mal wieder zwei unserer Projekte abgefahren sind, wurden wir von einem Mann gerufen, in seine Bäckerei zu kommen. Da ich schon immer mal eine gambische Bäckerei sehen wollte, nahmen wir die Einladung gerne an. Es ist die Familie Barry, die diese Bäckerei betreibt. Vater und Sohn backen für die Dorfbevölkerung das tägliche Brot.

Solange es noch trocken ist, wird es auch weiterhin Brot geben, doch wenn dann im Juli die Regenzeit beginnt, sieht es schlecht für die tägliche Brotlieferung aus. Das Dach der Bäckerei ist total durchlöchert. An Backen wäre nicht zu denken. Bei dem ständigen und heftigen Platzregen, so wie in Gambia üblich, würden sowohl die Zutaten als auch die fertigen Brote nass werden.

Daher bitten wir euch, helft der Familie Barry mit 200€ ihr Dach instand zu setzen, damit die Familie ihr Auskommen hat und die Dorfbewohner ihr Brot.

Gerne nehmen wir auch Teilbeträge. Eine kleine Spende mit großer Wirkung.

Paypal: spenden@helpthepoor.de

Konto: Help the poor and the needy e.V., IBAN: DE47100205000003291200

 

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Geschenkte Mobilität

Wie ich auf unserer Facebook-Seite ja schon berichtete, können unsere Sponsoren ja bereits Gedanken lesen, so ein inniges Verhältnis haben wir zu ihnen. Na, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber es ist tatsächlich nun schon mehrere Male passiert, dass ein Bedürftiger nach etwas gefragt hatte, und siehe da, noch am gleichen Abend kam eine Überweisung oder eine Email mit der entsprechenden Spende. Gott sei’s gedankt.

Eine von diesen Koinzidenzien war der Bedarf von mindestens zwei Fahrrädern für zwei Studenten, die zwar die Ausbildung durch Sponsoren finanziert bekommen, aber den Weg zu Schule nicht. Schade, wenn diese Ausbildung dann deswegen nicht zustande käme. Immerhin ist einer von ihnen ein von uns gesponsertes Schulkind, der nun nach so erfolgreichem Abitur, einen freien Studienplatz für Jura bekam.

Ein anderer junger Mann kam zu uns mit der Bitte, ihm eine Ausbildung zum Fensterbauer zu finanzieren. Eine gute Idee, da es in Gambia gerade Mode ist, alle alten Klappfenster durch Aluminium-Schiebefenster zu ersetzen. Nach einigen Recherchen fanden wir heraus, dass das erste Jahr der Ausbildung 200€ kostet. Am selben Abend erhielten wir per Email eine Spende von 200€ zugesagt, ohne, dass die Spenderin von dem Gespräch wusste. Doch damit der Wunder nicht genug. Auch dieser jungen Mann hätte keine Geld, um täglich zur Schule zu gelangen.

So ereignete sich dann noch ein kleines Wunder und eine liebe Freundin und Unterstützerin unseres Vereins bot uns spontan fünf Fahrräder und deren Transport nach Gambia an. Nun sind sie da. Und wir können damit, so Gott will, davon ausgehen, dass diese beiden jungen Männer, aller Voraussicht nach, zunächst nicht den Weg durch die Wüste und das Mittelmeer antreten. Bei der Menge der Auswanderungswilligen (es gibt kaum eine Familie, aus der nicht schon ein Junge gegangen ist), zählt jedes gerettete Leben.

Möge es noch viele weitere Koinzidenzien geben, die uns helfen, vielen jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, im Land zu bleiben und sich dort etwas für sich und ihre Familien aufzubauen.

 

Ein wunderschöner Ramadanbeginn

Die Müdigkeit saß uns noch in den Knochen von den Aktionen der letzten Wochen. Wir mussten unsere Mitgliederlisten aktualisieren, Telefonnummern raussuchen, alle 230 Empfänger anrufen, die Ware ordern, es gab im Vorfeld viel zu tun. Aber das haben wir alle gerne gemacht, waren wir doch noch so berauscht von der großen Hilfsbereitschaft aus Deutschland. Samstagmorgen ging es dann ganz früh ins Büro. Früh deshalb, weil es in Gambia alle zwei Wochen einen nationalen Cleaning Day gibt, an dem jeder vor seiner Haustür sauber machen soll. Ausgerechnet an dem Samstag vor Ramadan. Dann steht das ganze Land von neun bis 13 Uhr still, und es geht nichts mehr. Alle Geschäfte sind geschlossen und kein Auto darf fahren. Aber wir haben es geschafft noch vorher im Büro zu sein. 

Endlich angekommen ging es sofort los. Reis und Zucker in Stofftüten abpacken, Plastiktüten sind ja seit 1.7.2015 verboten, Datteln, Tomatenmark, Mayonaise, Dosenmilch, Nudeln etc. in noch ein andere Tüte. Die Kartons mit den Hühnerbeinen kamen in ein Lager, die mussten noch etwas auftauen. Bis fünf Uhr wurde gepackt. Zwischendurch haben uns andere helfende Hände ein schönes Mittagessen vorbeigebracht. Für 10 Personen, stellt euch vor. Völlig erschöpft, aber glücklich ging es dann nach Hause. Dort noch schnell etwas für das Abendessen vorbereitet, und weil eh der Strom aus war, ging es dann bald ins Bett. 

Nächsten morgen wieder ganz früh raus. Die ersten Empfänger kommen erfahrungsgemäß schon gegen neun. Dann ging es auch schon los. Erst versuchten wir die Empfänger alphabetisch aufzurufen, aber das ging nicht. Die Lautstärke und die Abwesenheit der meisten „A“ ließen die Wartenden dazu übergehen vor Kalilu, der am Sonntag die Ankommenden mit unserer Empfängerliste abglich, eine lange Schlange zu bilden. So wurde sie dann abgearbeitet. Erst der Fingerabdruck bzw die Unterschrift und dann die Sachen abholen. 

Am Rande wurden auch viel schöne Gespräche geführt, mehrere junge Menschen haben sich dafür interessiert für uns zu arbeiten. Auch haben wir uns gefreut, einige der  Bedürftigen, die wir lange nicht gesehen haben, wieder zu treffen. Aber auch einige neue Mitglieder, die gerade einige Tage vorher einen Antrag auf Hilfe gestellt hatten, haben sich über die Gaben gefreut.   

Einige der ehrenamtlichen Helfer haben auch noch einmal betont wie erfreulich die Arbeit für einen guten Zweck ist und die damit verbundenen Pluspunkte bei Allah. Und überall wurde gebetet und gedankt. Noch bis heute rufen uns einige Empfänger an und beten am Telefon für die edlen Spender. Möge Allah sie alle reichlich belohnen. Es würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, wenn ich alle Bittgebete hier wiedergebe, die in diesen Tagen gesprochen wurden.

Ein großer Dank auch an die Sadaqa Gruppe von Telegram, die sich mit 69 Paketen beteilgt haben, Al Rahma e.V mit 55 und Nächstenliebe ohne Grenzen e. V. mit 24. Wunderschön, wie unsere Ummah zusammenhält.

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Nähen statt Lampedusa

Wisst ihr wieviele Einwohner Nigeria hat? Etwa 160 Millionen. Und wieviele Einwohner hat Gambia? Etwa 1,8 Millionen. Nigeria hat also etwa 100x mehr Einwohner als Gambia. Richtig? Doch leider verlassen jedes Jahr ebenso viele (ca. 9000) meist junge Männer  Gambia wie Nigeria, um in das ach so viel versprechende Europa auszuwandern. 

Doch was erwartet sie dort? Eine Arbeitserlaubnis? Wohlstand? Eine geregelte Arbeit? Wohl kaum. Gambia befindet sich nicht im Krieg, und auch gab es nie einen Fall von Ebola dort. Warum sollte Deutschland also Gambianer aufnehmen, wenn sie doch mit den Kriegsflüchtlingen schon alle Hände voll zu tun haben?

Leider ist die Information bei den Betreffen noch nicht angekommen. Sie schauen sich Spielfilme aus Europa und Amerika und denken, dass sie genau so ein Leben erwartet, wenn sie in ihr Land der Wahl gehen. Es ist ein Phänomen. Ist ein junger Mann vom Europa-Virus befallen, nützt alles reden und anbieten nichts. Wie oft haben wir versucht mit den berühmten „Engelszungen“ auf sie einzureden. Es ist als ob man gegen eine Wand spricht. 

Die Situation scheint so vertrackt, dass es unser dringendes Bedürfnis ist, etwas dagegen zu tun. Da das Wort Auswegslosigkeit immer wieder fällt, keine Arbeit, kein Geld, damit keine eigene Familie, keine Unterstützung für die Eltern … und dann die Filme aus den reichen Ländern, in denen alles so leicht aussieht und so erfolgreich scheint. Was liegt da näher als auch aufzubrechen. Leider liegt Europa aber nicht so nahe, da ist noch eine Wüste dazwischen, und ein Meer, die mittlerweile Tausende von Toten beherbergen. Auch unserer Familie ist dieses Schicksal nicht erspart geblieben. An dieser Stelle möchte ich noch einmal das Buch „Bilal, als Illegaler auf dem Weg nach Europa“ von Fabrizio Gatti empfehlen. Er hat sich als „weißer“ Italiener auf den gleichen Weg begeben, wie fast alle der vielen West-Afrikaner. Aus seiner Feder entstand die hervorragende Beschreibung, was auf diesem beschwerlichen Weg wirklich passiert. Es vermittelt tiefe Einblicke in die komplexe Problematik und dennoch spannend geschrieben. Sehr lesenswert. 

Umso wichtiger erschien es uns jetzt aktiv Hilfe zu leisten. Da Schneider hier ein reiner Männerberuf ist, haben wir uns überlegt, eine Nähwerkstatt zu eröffnen. Vielleicht können wir dem einen oder anderen eine Zukunft in Gambia geben, dass er sich nicht auf diesen gefährlichen Weg begeben muss.  

Zu diesem Zweck sind uns bereits 8 Nähmaschinen gespendet worden, von denen 6 schon im Lande sind. Die Maschinen sind elektrische Nähmaschinen nach europäischem Standard. Die Maschine, die ihr unten auf dem Bild seht, ist der übliche „gambian Style“ mit Fußantrieb und ohne Strom. Auch Kartons mit einer Erstausstattung von Stoffen und Garnen steht bereit.  Ein Laden ist auch schon angemietet. Jetzt brauchen wir nur noch Möbel und einen Lehrer, dann kann das Projekt starten. Mit monatlich 200€ für die Miete, den Lehrer, Strom und Verbrauchsmaterial und einmalig 300€ für die Einrichtung könnten das Projekt starten. Für Fragen und Anregungen, meldet euch bitte unter mail(at)helpthepoor.de

Wer uns helfen möchte, kann es hier tun: 

HELP THE POOR AND THE NEEDY e.V.

IBAN: DE47100205000003291200

… und was wir machen

Unser Programm beinhaltet verschiedene Projekte quer durch die Gesellschaft Gambias. Wir bemühen uns stets nachhaltige Hilfe zu leisten, dürfen aber auch die Soforthilfe für Notfälle etc. nicht vernachlässigen. Unsere derzeitigen Projekte sind:

  1. Witwen und Waisen
  2. Notfallhilfe/Desastermanagement
  3. Stop Going Backway
  4. Charity/Armenspeisung
  5. Medizinische Hilfe
  6. Bau einer gebührenfreien Schule

Witwen und Waisen-Hilfe

Am Herzen liegen uns besonders die Witwen und Waisen. Von den 141 Familien, die wir zur Zeit betreuen, sind 69 Witwen mit Kindern. Sie benötigen unsere besondere Hilfe, da sie von keinem Sozialsystem aufgefangen werden. Neben der Armenspeisung, von der sie natürlich auch profitieren, ist ihr größtes Problem der monatliche Sack Reis für ca. 30€. Zu diesem Anliegen entwickeln wir gerade ein Projekt. Reis gehört zu den Grundnahrungsmitteln. Der Reis ist immer da, je nach Möglichkeit gibt es dann noch ein paar Zwiebeln oder kleine gebratene Fische oder auch mal eine Soße mit Gemüse dazu.

Notfallhilfe/Desastermanagement

Hinter diesem Titel verbirgt sich Hilfe für abgebrannte oder durch den Regen zerstörte Häuser, oder spontane Hilfe bei dem Verlust der Arbeit oder der Gesundheit im weitesten Sinne. Es geht hier in der Regel um Einzelfallhilfe. Unser aktuellstes Projekt ist eine völlig ausgebrannte Koranschule, die 75 Kindern, davon 5 Waisenkindern, ein Zuhause gegeben hat.

Stop Going Backway

Bei diesem Projekt geht es darum junge Menschen davor zu überzeugen und dabei zu helfen, sich in ihrer Heimat etwas aufzubauen, statt den gefährlichen Weg durch die Wüste nach Lampedusa zu nehmen. Die Politiker reden viel von Lösungen, wir wollen tatkräftig gute Ideen umsetzen, um wenigstens ein paar junge Leute vor dem Tod, der Illegalität oder der Abschiebung zu bewahren und ihnen stattdessen zu einer sinnvollen Zukunft im eigenen Land zu verhelfen. Wir selbst haben ein Familienmitglied vor Lampedusa verloren engagieren uns nun umso mehr.

Für dieses Projekt sind gerade zwei Aktionen am Start. Zum einen drehen wir gerade mit Schülern eines Gymnasiums einen 90-minütigen Film „Journey to Happiness“ zum Thema. (Das Drehbuch kann gerne bei uns angefragt werden) und zum anderen werden wir in Kürze eine Nähwerkstatt einrichten, die 10 Jugendlichen ermöglicht den Beruf des Schneiders zu erlernen. Nebenbei kommen auch immer noch Jugendliche zu uns, die eine Ausbildung machen möchten, um nicht auch irgendwann in Lampedusa zu enden. Ausbildungen kosten hier zwischen 200 und 800€ je nach Fach. Wenn wir die Möglichkeit haben, helfen wir auch hier gerne, um unter Umständen Leben zu retten.

Charity/Armenspeisung

Seit Gründung des Vereins vor 17 Jahren geben wir jedes Jahr zum Ramadanbeginn den bei uns registrierten Familien 5 Kg Zucker und eine Box mit 100 Teebeuteln. Gelegentlich werden wir dafür kritisiert, dass wir Zucker ausgeben, weil es doch so ungesund ist. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass für viele der Zucker nicht erschwinglich und damit ein Luxusgut ist. Was gibt es also schöneres als einer Familie den Ramadan im wahrsten Sinne des Wortes zu versüßen? Besonders für die Kinder. Für die letzten 10 Nächte des Ramadans versuchen wir dann noch Hühnerbeine, Zwiebeln und Öl auszugeben. Zum Ramadanfest schlachten wir zwei Kühe. Viele Familien können derzeit nur zu den Festen Fleisch essen, da ein Monatslohn eines Arbeiters zwischen 30€ und 50€ liegt, ein Kilo Fleisch aber 5€ kostet.

Für das Opferfest wünschen wir uns für unsere armen Familien nichts sehnlicher als ein Kurban. Die meisten von ihnen haben noch nie in ihrem Leben einen Hammel geschlachtet. Dabei sollte es eigentlich Pflicht für jeden Familienvater sein. Im letzten Jahr konnten wir 27 Kurban an besonders bedürftige Familien geben. Alhamdulillah.

Medizinische Hilfe

Als Verein sind wir nicht auf medizinische Hilfe spezialisiert. Dennoch konnten einige Erleichterungen für besonders für chronisch Kranke bewirken. Wir betreuen Menschen mit Asthma, Epilepsie, Hydrocephalus, Schlaganfall und Diabetes, indem wir sie beim Kauf der Medikamente unterstützen oder sie in der German Clinic auf unsere Kosten untersuchen lassen.

Aktuell beschäftigt uns eine besondere Krankheit, die leider in Gambia relativ häufig vorkommt. Es ist die Krankheit Elephantiasis, eine Erkrankung des Lymphsystems, bei dem die Arme und Beine in unvorstellbare Größen anschwellen. In Europa ist die Krankheit heilbar, in Afrika leider nicht. Daher sind wir intensiv auf der Suche nach Ärzten, die vielleicht nach Gambia reisen würden und helfen wollen. Vier Frauen sind in unserem Büro registriert und warten auf Hilfe, aber es gibt noch viel mehr. Wer Ärzte kennt und sie fragen kann, ob sie vielleicht helfen könnten, würde diesen Frauen einen großen Dienst erweisen. Auch, wenn sie selbst nicht darauf spezialisiert sind, vielleicht kennen sie aber Ärzte, die helfen können.

Bau einer gebührenfreien Grundschule

Das ist unser Hauptprojekt. Leider reicht das Geld dafür noch nicht, aber wir versuchen demnächst erstmal ein kleines Verwaltungsgebäude zu bauen, um unser Büro dort anzusiedeln und den Bau der Schule besser beaufsichtigen zu können.

Die Schule wird eine der wenigen gebührenfreien Schulen. Viele Kinder können in Gambia nicht zur Schule gehen, weil ihre Eltern die Schulgebühren nicht zahlen können. Die Regierung ist bemüht, Schulen gebührenfrei zu machen, aber bisher sind erst 5 Schulen von den Gebühren befreit.

Für alle diese Projekte benötigen wir jede erdenkliche Hilfe, die wir bekommen können.

 

Wer wir sind …

Empathy und Mitgefühl brauchen wir wirklich, wenn wir in Gambia helfen wollen. Seit 1998  mühen wir uns jetzt redlich zu helfen, wo es am nötigsten ist. Oft ist es nur mit einem großen Herzen und viel Geduld zu schaffen. Um euch etwas mehr Einblick in unsere Arbeit zu geben, stellen wir uns kurz vor.

Wer sind wir

Unser Verein wurde im November 1998 von sieben Freunden aus Jordanien, Syrien, der Türkei, Holland, Deutschland und Gambia gegründet. Seit dem gibt es unsere Vereinsmitglieder in Deutschland und vier Mitarbeiter in Gambia. Mein Mann und ich sind vor Ort und so verwirklichen wir zusammen alle unsere Projekte. Für die Ausgabe des Charity und das Schlachten der Opfertiere haben wir ehrenamtlich Helfer, die uns seit vielen Jahren eifrig unterstützen. So werden von meinem Mann und mir die folgenden Aufgaben größtenteils alleine bewältigt: Projektentwicklung –leitung und Durchführung, Dokumentation, Buchhaltung, Fundraising, Public Relation, Korrespondenz und Mediadesign. 1999 gründeten wir dann eine NGO in Gambia, um auch dort als Charity-Organisation anerkannt zu sein.

Wie finanzieren wir uns

Unsere Fixkosten liegen etwa bei 300€ pro Monat für das Gehalt unserer Büroleiterin, Strom, Internet, Transport, Miete etc. Diese Kosten sind durch Daueraufträge von Sponsoren gedeckt, die ohne konkreten Verwendungszweck spenden. Alle Spendengelder, die projektgebunden auf unser Konto eingezahlt werden, gehen 1 zu 1 an die Projekte, ohne Abzug. Einige unserer Projekte laufen gelegentlich auch über ein Crowdfunding bei Betterplace. Die Projektnummer steht dann bei den Spendenaufrufen dabei. Übrigens stellen wir auch Spendenbescheinigungen aus. Wer bei uns spendet, kann eine Spendenquittung bekommen.

Kooperationen

Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir immer wieder auch mit anderen Vereinen zusammenarbeiten dürfen. Al-Rahma e.V. hat uns bei dem Wiederaufbau der Koranschule unterstützt und mit Nächstenliebe ohne Grenzen e.V. beim Bau einer Moschee und wir haben ein gemeinsames Iftar (Ramadan) und Kurban-Projekt (Opferfest) durchgeführt. Von muslimehelfen e.V. sind wir in der Vergangenheit mit Kurban für das Opferfest,  Kühen für das Ramadanfest und bei der Nähschule unterstützt worden. Ein großer Segen für die Armen in Gambia.

Du möchtest helfen, weißt aber nicht wie?

Vielleicht wirst du das jetzt alles lesen und dir im Stillen sagen, dass du leider kein Geld hast und daher auch nicht helfen kannst. Doch, das kannst du. Wir sind ein eingetragener Verein bei benefind.de. Benefind ist eine Suchmaschine, die genauso wie Google funktioniert. Wenn du unseren Verein „Help the poor and the needy e.V.“ als Begünstigten angibst (unten links Auswahl ändern), dann überweist uns Benefind für jede zweite Suche 1 ct. Oder du likest unsere Seite auf Facebook und teilst die Inhalte. Im Facebook gibt es ja auch einige Spendengruppen, die für gemeinnützige Organisationen Versteigerungen durchführen. Auch hier sind wir mal sehr belohnt worden von einer lieben Freundin. Auf diesem Wege kamen 10 Nähmaschinen für unser Projekt „STOP GOING BACKWAY“ zusammen.  Oder du leitest unsere emails weiter. Auch das kann sehr helfen.Ich habe schon viele liebe Helfer auf diese Art kennen gelernt, die uns bis jetzt die Treue halten.

Wie erreicht man uns

Wir bemühen uns ja immer up to date zu sein. Es ist nicht so einfach, wenn die gesamte Arbeit an so weinigen Personen hängt. Dennoch möchten wir unseren Followern ein möglichst breites Spektrum an Informationskanälen bieten. Im Folgendem eine Übersicht, wie ihr uns erreichen könnt.

  • Homepage: http://www.helpthepoor.de
  • Blog: http://www.empathymitgefuehl.com Hier schreibe ich nicht nur über unseren Verein, sondern auch welch neue Erkenntnisse sich auftun, wenn man zwischen den Kontinenten pendelt.
  • Twitter: helpthepoor.de (@SurayaJa)
  • Instagram: helpthepoor.de
  • Unser wichtigstes Medium ist unser EMAIL-ADRESSE: mail@helpthepoor.de

Wir freuen uns über jede mail und ich versuche innerhalb von einem Tag zu antworten. Bitte stellt Fragen, gebt Kritik oder Anregungen, alles ist willkommen. Im nächsten Post werde ich etwas über unser Progamm schreiben. Unsere Jahresberichte der letzten drei Jahre sind auf unserer HP abrufbar unter dem Impressum. http://www.helpthepoor.de

Ein Land an der Nabelschnur Europas

Es war zum Ramadanfest 2015, als ich bei Western Union saß und auf eine Überweisung für die Bullen aus Deutschland wartete. Obwohl es angekündigt war, hatte der Geldwechsler nicht genug Dalasi vorrätig. So mussten wir eine Weile Platz nehmen und warten. Was dann passierte, hat mir ein Stück weit die Augen geöffnet.

Western Union – mehr als ein Geldwechsler

Eine Schwangere nach der anderen kam herein und holte das von ihrem Mann geschickte Geld aus dem Ausland ab. Es waren insgesamt fünf Frauen in den 20 Minuten, die wir dort saßen. Auch einige ältere Frauen kamen, die holten dann wohl das Geld ihrer Söhne dort ab. In mir kam sofort das Bild hoch, wie abhängig doch die Afrikaner von Europa sind. Wie ein Baby, das an der Nabelschnur der Mutter hängt. Kein Wunder, dass es hier bislang keine tiefgreifenden Programme gibt, die elendige Massenflucht zu beenden, denn mittlerweile leben viele Familien von den Dollars oder Euros aus Übersee.

Das Rentensystem in Gambia: Die Söhne ernähren die Eltern

Das ist auch der Hauptgrund, warum es so viele nach Europa zieht. Es ist nach wie vor die Pflicht eine Sohnes, seine Eltern und seine eigene kleine Familie zu ernähren. Doch da kommen wir schon zum nächsten Problem. Wie eine Familie gründen, wenn der Brautpreis laut Tradition so hoch angesetzt wird, dass es für einen jungen Mann kaum noch möglich ist, ihn aufzubringen? Mit der Festsetzung eines Brautpreises legen die Eltern quasi schon fest, ob der Zukünftige ein Gambianer aus der Heimat oder ein „Semester“ aus Übersee ist.

In Gambia gibt es keine Arbeit

Eine andere Behauptung ist, es gäbe keine Arbeit. Fakt ist aber, wer fleißig und zuverlässig ist, bekommt auch Arbeit. Leider wollen nicht viele Gambianer Lehrer werden. Einheimische Lehrer können an den Fingern abgezählt werden. Die meisten Lehrer kommen aus Sierra Leone, Ghana und Nigeria. Doch auch für die, die kein Abitur haben, gibt es Möglichkeiten. Da in Gambia vieles noch in Handarbeit gefertigt wird, boomt das Handwerk. Doch sowohl der Lehrerberuf als auch als Handwerker benötigen sie eine Ausbildung, die viele sich nicht leisten können.

Gute Tischler, Fensterbauer, Fliesenleger, Elektriker, Installateure sind rar. Die sich für einen Handwerksberuf entschieden haben und sich eine Ausbildung leisten konnten, sind ausgebucht und nur schwer zu bekommen. Doch wir beobachten immer wieder, dass viele der jungen Männer bis 30 weder Verantwortung übernehmen noch hart arbeiten wollen.

Stattdessen lieben sie es, dir tausend Gründe zu erzählen, warum diese oder jene Arbeit nichts für sie sei. Wir suchen beispielsweise gerade eine Sekretärin mit Computerkenntnissen, finden aber leider keine. Auch wenn wir jemanden für die Gartenarbeit suchen, möchte sich niemand wirklich die Hände schmutzig machen. Da ist es doch viel einfacher von Haus zu Haus zu gehen und die Verwandten um Unterstützung zu bitten.

Doch es gibt eine bzw die ausschlaggebende Begründung, dass der Grund des Weggehens nicht Armut ist. Es ist die Tatsache, dass die jungen Männer für die Reise und die Schlepper etwa 4000€ ausgegeben müssen. Das sind etwa 5 Jahresgehälter eines Lehrers. Wer dieses Geld zur Verfügung hat, könnte sich einen kleinen Supermarkt einrichten und hätte bis an sein Lebensende ausgesorgt, könnte leicht eine ganze Großfamilie davon ernähren, heiraten und hätte ein schönes Leben. Auch ist Gambia weder von einem Krieg noch von Naturkatastrophen bedroht. Der Grund muss also ein anderer sein. Nach mehrstündigen Gesprächen mit einem Familienmitglied, der das Abenteuer Europa leider nicht überlebt hat, komme ich zu dem Schluss nach Europa auszuwandern ist ein Virus. Einmal in ihren Kopf gepflanzt, gibt es kein zurück mehr.

Oft hören wir von Freunden und Bekannten, dass ihre Söhne es geschafft haben oder auch nicht. Statistisch gesehen verlassen jedes Jahr von Gambia ebensoviele junge Menschen (9000 Stand 2016) das Land wie aus Nigeria. Obwohl Gambia als kleinstes Land nur 1,6 Mio Einwohner hat und Nigeria 160 Mio.

Dieses Phänomen verdient ernsthafte Aufmerksamkeit, denn nur mit dem Armutsslogan zu argumentieren ist zu billig. Die jungen Männer bräuchten dringend bezahlbare Ausbildungsplätze oder Universitätsplätze und Schwiegereltern, die gemäß ihrer Religion das Brautgeld der Tochter zubilligen und nicht einen großen Verdienst dabei herausschlagen wollen. Bei einigen Ethnien in Gambia ist es traditionell üblich, dass die Eltern noch einmal das gleiche Brautgeld bekommen wie die Tochter. Die Mädchen werden quasi „verkauft“. Um dem allen zu entfliehen, suchen sich die Jungen ihren Weg nach Europa, nicht wissend, was sie dort erwartet. Gerade letzte Woche ist ein Flugzeug mit abgeschobenen Gambianern angekommen.

Gehälter vs Lebensmittelpreise

Eine andere Tatsache, die Familien das Überleben erschwert, ist das Verhältnis zwischen den Gehältern und den Lebensmittelpreisen. Ein Lehrer verdient beispielsweise etwa 60€ im Monat, die Lebensmittelpreise sind aber mit denen in Deutschland vergleichbar. Ein Kilo Fleisch über 5€, ein Kilo Tomaten oder Zwiebeln 1€, ein Sack Reis (ein Muss für jede Familie pro Monat) ca 25-30€. Eine adäquate Wertschätzung eines akademischen Berufes und eine entsprechende Preiskontrolle könnten auch hier helfen die Familienhaushalte zu stabilisieren. Die Besitzer der Privatschulen, und von denen gibt es mehr als von den staatlichen,  rufen enorm hohe Schulgebühren auf. Im Schnitt können nur etwa 6 Schüler einer Klasse, und die sind oft bis 60 Schüler groß, das Schulgeld aus eigener Kraft bezahlen. Viele andere benötigen Sponsoren.

Ein erster richtiger Schritt ist bereits getan. Einige staatliche Schulen (noch sind es unter 10) sind nun frei von Schulgebühren. Eine Erleichterung für die Eltern und eine Chance, dass es doch mehr Schüler zum Abitur schaffen, doch auch die 50€ pro Jahr für zwei Uniformen und die Bücher können viele Eltern nicht aufbringen.

Eine weitere Neuerung ist ein Unistipendium, das Schüler bekommen können, die alle 9 Schulfächer mit einer Note zwischen 1-3 abgeschlossen haben. Bisher ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ausbaufähig.

Was können wir tun?

Wir als Verein helfen dort, wo unserer Meinung am meisten Hilfe gebraucht wird. Wir verteilen Essen an die Bedürftigsten, helfen gelegentlich mit Schulgebühren aus, oder bezahlen einzelnen Schülern den Transport zur Schule oder das Frühstück. Für eine eigenen gebührenfreie Schule sammeln wir noch Gelder, und demnächst, so Gott will, richten wir eine Nähwerkstatt mit 10 Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätzen ein. Ein anderer Schwerpunkt in unserem Projekt ist die Unterstützung von Witwen mit Startup-Programmen und Desastermanagement (HIlfe bei abgebrannten Häusern, medizinischen Problemen etc). In allen diesen Bereichen geht es ohne die Hilfe aus dem Ausland nicht.

Es gibt viel zu tun in Gambia, packen wir es an. Vielleicht könnten wir ja ein Stück dazu beitragen, dass künftig weniger junge Männer das Land verlassen, weil es in ihrem Land wieder lebenswerter wird, und sie vielleicht in ferner Zukunft mal auf eigenen Beinen stehen können.

Mehr zu diesem Thema in dem Artikel „Armut, Schicksal oder Absicht?“

Gute Neuigkeiten vom Verein

Wie ihr ja wisst, versuchen wir mit aller Kraft jungen Männer und Frauen eine Zukunft zu geben, um sie davor zu bewahren, den mühevollen und immer aussichtsloseren Weg nach Europa zu gehen. Es ist uns nun wieder gelungen zwei Studenten, die ihre Ausbildung abbrechen mussten, wieder zurück zu an die Schule zu bringen. Sie studieren Business-Management und der Onkel, des einen Studenten Mohammed Conta, der die Ausbildung zunächst finanziert hatte, konnte ihnen nicht mehr helfen. Sein Freund Kausu ist ein Waisenjunge, dessen letzte Verwandte, seine Großmutter, nun auch noch Ende letzten Jahres gestorben ist. Wir sind sehr glücklich, dass die Beiden seit Anfang der Woche wieder ihre Ausbildung aufgenommen haben, und keine Gedanken mehr an Europa verschwenden.
Um die Ausbildung der Beiden zu Ende zu finanzieren, benötigen wir 1500€. Gott sei’s gedankt, haben wir schon 685€ zusammen. Wer mithelfen möchte, dass sie bis zum Ende auf der Schule bleiben können, kann für sie unter folgendem Link auf der Plattform betterplace.org spenden. Jeder noch so kleine Betrag hilft.

Spende für zwei Stundenten

Ich danke dir im Namen von Mohammed und Kausu, dass du diesen Artikel zu Ende gelesen hast, und dir die Schicksale der afrikanischen Jugend wichtig sind.

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Schau auch auf unsere Homepage: http://www.helpthepoor.de und unsere fb-Seite: Help the poor and the needy e.V.

Der Stock, ein Begleiter durch’s Leben

Letztens fiel mir auf, dass man in Gambia kaum Menschen sieht, die einen Gehstock benutzen. Wir alle wissen, dass Afrikaner sehr viel athlethischer sind – siehe Olympia – doch auch sie werden mal alt. Männer wie Frauen bekommen Artritis, Hexenschuss, Bandscheibenvorfälle, aber einen Stock verwenden sie nicht. Ich besprach dann mal meine Beobachtungen mit einer 66-jährigen Artritis-Patientin. Sie lachte bei dem Gedanken an einen Stock, bückte sich und berührte mit durchgedrückten Knien und der flachen Hand den Boden. Ich staunte nicht schlecht. Abgesehen davon, dass ich das noch nie konnte, fand ich es bewundernswert wie stark ihre Muskulatur war. Doch den Grund dafür fand ich erst langsam heraus.

Die kleinen Kinder sind oft auf den Rücken der Mutter geschnallt, das beruhigt die Kleinen und macht einen geraden Rücken bei Mutter und Kind. Wenn die laufen lernen, gibt es keine fahrbaren Gestelle oder Schaukeln, sondern nur die eigenen Füße oder Mamas Rücken. Sobald sie größer werden, fegen sie mit einem Besen, der nur aus einem Bündel von Reisigzweigen besteht, tief nach unten gebückt. Oder sie waschen im Stehen über die Eimer gebeugt. Wenn die Mädchen dann älter werden, tragen sie selbst ihre Kinder oft bis nach dem dritten Lebensjahr auf dem Rücken. Wasser oder Lebensmittel werden nach wie vor noch oft in einem Behälter auf dem Kopf getragen.

Doch nun zu uns. Ab dem 10. Lebensmonat steckt man uns in eine Gehhilfe, laut ärtzlicher Meinung völlig ungeeignet zum Laufen lernen, weil die Muskulatur nicht trainiert wird. Wenn Mutter und Kind unterwegs sind, benutzen sie einen Kinderwagen. Das Kind weit weg von der Mutter und die Mutter hat mal wieder etwas zum Abstützen. Einkäufe werden erst mit dem

Einkaufswagen (zum Abstützen) und dann mit Plastiktüten bewerkstelligt, die so richtig gegenerativ für den Rücken sind. Wollen wir fegen, halten wir uns wieder an einem Stock fest – bloß keine Rückenmuskeln beanspruchen. Schließlich wundern wir uns dann, dass wir im Alter auch einen Stock brauchen. Arme Zivilisationsgesellschaft!

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Erinnnert ihr euch….?

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Das ist ein Teil der Familie Sowe. Am 25.4.2014 hatte ich schon einmal etwas über die Familie gepostet. Die beiden älteren Kinder auf dem Foto sind Waisenkinder. Ihre Eltern sind von einem falschen Heiler mit einer Überdosis behandelt worden und sind beide auf dem Rückweg nach Hause gestorben. Seit dem kümmert der jüngere Bruder des Vaters sich um zwei der drei Waisen. Bisher konnten wir ihnen immer mal wieder mit Kleidung oder etwas Unterstützung zum Lebensunterhalt helfen. Doch nun wird etwas mehr Hilfe benötigt. Der älteste der Waisen ist Ousman (auf dem Bild rechts), er geht jetzt in die 7. Klasse einer sehr guten Schule. Die Schule ist auf Science und IT spezialisiert, sie haben eine sehr gute Ausstattung und sehr engagierte Lehrer. Das bedeutet natürlich auch, dass die Schulgebühren entsprechend höher sind. In diesem Fall 200€ pro Jahr.

Familien, in diesen Situationen versuchen oft wenigstens ein Kind aus der Familie ein sehr gute Schulbildung zu geben, damit er oder sie dann die Familie unterstützen kann. Der Stiefvater ist Soldat und verdient ca. 40€ im Monat. Er und seine Frau versuchen wirklich alles, um den Kindern mit aller Kraft zu helfen, sowohl über den Verlust der Eltern hinwegzukommen als auch das Beste aus ihrer Zukunft zu
machen. Doch manchmal brauchen sie dabei etwas Hilfe.

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Wer Interesse hat Ousman Sowe (14) als Patenkind zu übernehmen, kann sich gerne mit uns in Verbindung setzen. mail@helpthepoor.de. Wer einen einmaligen Betrag spenden möchte, damit wir das aktuelle Schuljahr bezahlen können, kann das gerne tun unter:

Help the poor and the needy e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN DE47100205000003291200
BIC BFSWDE33BER
Stichwort: Ousman Sowe

 

Noch ein Jahr und drei Monate Schule, so Gott will

imageDas ist Maimuna B. Sie geht in die 11. Klasse einer Oberschule und hat den Schwerpunkt Science gewählt. Sie ist eine der besten Schülerinnen in ihrer Klasse und hat gute Aussichten, ein sehr gutes Abitur zu machen, wenn …. ja, wenn ihre Lebensumstände besser wären.

Sie ist 24 Jahre alt. Als sie drei Jahre alt war, ist ihr Vater gestorben. Ihre Mutter ist psychisch krank und lebt auf dem Dorf. Zunächst wuchs sie bei ihrem Onkel auf, doch als er heiratete, musste sie ihn verlassen. Seitdem lebt sie bei ihrer älteren Schwester. Doch nun kann die Schwester sie nicht mehr ernähren und auch das Fahrgeld zur Schule nicht mehr bezahlen, weil sie ihre Arbeit als Gärtnerin verloren hat. Insgesamt musste Maimuna 5 Jahre in der Schule aussetzen, zum Teil, weil das Geld für die Schulgebühren fehlte, und weil sie wegen starker Rückenschmerzen nicht am Unterricht teilnehmen konnte.

Glücklicherweise ist die Schule jetzt verstaatlicht worden, so dass die Schulgebühren wegfallen, aber die Rückenschmerzen sind geblieben, und so steht sie in der Regel während der ganzen Schulzeit. Um das Fahrgeld zu sparen, schläft sie oft bei einer Freundin, bei der sich sechs Mädchen ein Bett teilen und in Schichten schlafen. Bis 2 Uhr die eine Gruppe, dann wird gewechselt. Sie würde gerne wieder bei ihrer Schwester wohnen, aber das geht finanziell nicht. Mit ihren guten Noten hat sie große Chancen ein gutes Abitur zu machen. Das braucht sie auch, denn ein Stipendium gibt es nur für diejenigen, „Noch ein Jahr und drei Monate Schule, so Gott will“ weiterlesen

Bilal – Als Illegaler auf dem Weg nach Europa

von Fabrizio Gatti

Das Thema bewegt uns irgendwie alle. Jährlich kommen Hunderttausende über das Mittelmeer nach Europa und Zigtausende bleiben in ihm verschollen.
Ein italienischer Journalist hat sich nun auf denselben Weg gemacht, den auch die schwarzafrikanischen Flüchtlinge nehmen, um in ihr erträumtes Europa zu kommen. Erträumtes? Ja, denn die Wirklichkeit sieht oft anders aus, als sie es sich noch in ihrer Heimat vorstellen. Das geht aus den vielen Geprächen hervor, die der Journalist mit den Flüchtlingen auf ihrer Reise führt und dem regen email-Austausch, den er mit seinen Weggefährten hat, als er bereits wieder in Italien ist und sie noch in Lybien. Ein sehr spannendes Buch, das alle meine Befürchtungen wie schrecklich diese Reise durch die Wüste sein muss noch bei Weitem übertroffen hat.
Ich selbst habe zwei Printausgaben an meine Liebsten verschenkt und mir selbst die ebook – Version heruntergeladen. Kindl auf meinem Handy und meinem Tablet ist schon zu meinem festen Begleiter geworden.
Da bei mir auch wieder eine Buchveröffentlichung vor der Tür steht, würde ich mich sehr über eure Meinung in einem Kommentar freuen, wie ihr zu der Frage steht: Printbuch oder Ebook?

Doch nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen dieses hervorragenden Buches, das nicht nur mehr Verständnis für die Postitionen aller Seiten ermöglicht, sondern auch die Gefahr in die sich die Flüchtlingen begeben auf eindrucksvolle Weise darstellt.

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Eine Koranschule ist abgebrannt! Bitte helft!

Vor einigen Tagen kamen zwei Herren in unser Büro und baten uns um Hilfe. Sheikh Chabbo Cham und sein Assistent. Der Sheikh hat auf seinem Privatgrundstück mit viel Mühe und Spenden eine Koranschule gebaut, die 75 Kinder nicht nur einen Platz zum Lernen bietet, sondern auch zum Wohnen. Sie lernen dort den Koran,  die Überlieferungen (Ahadith) des Propheten Muhammads (sws) und Bittgebete (Hisnul Muslim). Am 2. November brannte die Schule komplett nieder. Ein Schock für alle Beteiligten. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Doch der Sachschaden ist imens. Alle Möbel, 900 islamische Bücher, eine Solaranlage und 17 Säcke Reis sind verbrannt. Der Wiederaufbau der Schule soll laut Berechnungen etwa 9500 € kosten. Ich habe auf der Crowdfundingseite Betterplace ein Hilfsprojekt angelegt, auf dem ihr einfach online spenden könnt.

Die Webadresse dazu lautet:
http://www.betterplace.org/p38294

Hier ein Bild von der abgebrannten Schule

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Das ist Ustas Chabbo Oggo Cham. Er lehrt in den gambischen Dialekten wie Mandinka und Wollof in seiner Schule, aber auch im Fernsehen auf öffentlichen Veranstaltungen, damit auch die Menschen ohne Schulbildung in der Religion unterrichtet werden.

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Zwei Bullen für unsere Witwen

Es war letzen Sonntag, die Wolken wollten die Sonne nicht so richtig freigeben, und so machten wir uns bei etwas ungemütlichem Wetter, aber dennoch knapp 30 Grad, früh nach dem Morgengebet und einem kleinen Frühstück auf den Weg zum Schlachten. In der Nacht hatte unser Mitarbeiter die zwei Bullen von einer dreitägigen Reise in ein Dorf
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mitgebracht. Als wir um acht Uhr unser Vereinsbüro erreichten, waren der Schlachter und seine zwei Helfer auch schon da. Schnell noch die Bullen fotografiert, dann ging es auch schon los.
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Ein paar Seile geschickt um die Beine des Bullen geworfen und festgezurrt, schon lag das tonnenschwere Tier auf der Seite. Ein Beobachter neben mir sagte bei ihm zu Hause bräuchten sie dafür sieben Leute und 30 Minuten. Interessant!
Das Schächten selbst erfolgte dann ganz „islamisch“. Nach gut zwei Stunden waren die Tiere dann zerlegt, und das Fleisch wurde in faustgroßen Stücken in großen Eimern gelagert, um sie dann später in zwei-Kilo-Portionen an die Bedürftigen zu verteilen.
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Ein paar kleinen Jungen gaben wir ein Kilo Leber, die sie dann für die Helfer auf einem kleinen Grill braten durften.

So hatten die Kinder ihren Spaß und die Helfer einen kleinen Snack. Inzwischen war es ca. 11 Uhr. Schon kamen die ersten, um ihr Fleisch abzuholen. Da wir aber den Termin auf 12 festgelegt hatten, mussten sie leider noch etwas warten. Wir hatten nämlich noch etwas anderes vor. Sobald die meisten anwesend waren, sollte die neue Präsidentin unserer Mitglieder gewählt werden. Unsere letzte Präsidentin ist sehr überraschend Anfang November verstorben.
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Die Präsidentin kümmert sich darum, dass alle informiert werden, wenn es etwas zu verteilen gibt. Außerdem wollten wir noch von allen Passfotos für neue ID-Cards machen.
Nun hieß es Stühle organisieren. Das ist glücklicherweise nicht das Problem in Gambia. Viele Familien haben einen kleinen Nebenerwerb durch die Stuhlvermietung. 1€ für ein Dutzend Stühle. Nun kamen immer mehr und mehr meist Frauen, und die anwesenden Kinder hatten ihren Spaß immer mehr Stühle zu bringen. Am Ende reichten dann aber doch fünf Dutzend. Die Bedürftigen, die wir versorgen, sind etwas über 100 Familien, davon 69 Witwen. Immerhin kamen 60 Personen, einigen von ihnen nahmen auch das Fleisch für andere Familien mit. Nach dem großen Aufräumen waren wir dann schließlich etwa gegen 17 Uhr zu Hause, völlig erschöpft von dem frühen Aufstehen, den vielen Gesprächen und Eindrücken, aber sehr glücklich, dass alles so gut verlaufen ist.
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Möge Allah uns noch viele weitere solcher schönen Tage schenken und den Spendern in dieser und der nächsten Welt nur das Beste zukommen lassen. Ein großer Dank geht an die Organisation Muslime Helfen, die diesen Tag möglich gemacht hat.

Plastik ade! – Wie Gambia dem Polution-Gau den Kampf ansagt

Wir haben ja alle nicht so recht daran geglaubt, aber jetzt ist es tatsächlich passiert. In Gambia herrscht ein Plastikttüten-Verbot. Erst waren alle geschockt, als es am 1.7. tatsächlich in Kraft trat. Die Bevölkerung glaubte nicht an den Ernst der Lage und ignorierte dieses Gesetz zunächst. Dann, etwa eine Woche später, verschärfte sich die Situation noch einmal. Es wurde angekündigt, dass jeder, der mit einer Plastiktüte „erwischt“ wird, 10€ Strafe zahlen muss. Bei 30€ Monatseinkommen eine erstzunehmende Strafe. Ohne Ersatzbehältnis wurde das Ganze naturgemäß etwas schwierig, aber dennoch  …… Von einem Tag auf den anderen waren alle Plastiktüten verschwunden, und clevere Geschäftleute haben quasi über Nacht Stofftüten parat gehabt. Gambia ist nun ein nahezu Plastik(Tüten)-freies Land.

Doch warum eigentlich der ganze Zirkus? Im kleinsten Land auf dem afrikanischen Kontinent, lebt ein Großteil der Menschen nahe der Hauptstadt. Viele kommen von den Dörfern in die Stadt, behalten aber leider ihre Gewohnheiten bei, alles was nicht mehr gebraucht wird, auf den Boden zu werfen. So flogen nun ständig die blauen, schwarzen und weißen Plastiktüten nach Gebrauch auf den Boden und dekorierten die Straßenränder. Zweimal im Monat gibt es seit einiger Zeit nun immer Samstag einen Tag „Clean the Nation“. An diesen Tagen dürfen von 9-13 Uhr keine Verkehrsmittel unterwegs sein und alle müssen vor ihrer Haustür sauber machen. Nun ja, das klappte auch nur bedingt, und wenn, dann wurden die Plastiktüten zu einem großen Haufen zusammengefegt und angezündet. Für die überdurchschnittlich vielen Asthmapatienten in Gambia auch keine gute Lösung.

Natürlich gibt es auf den Müllhalden noch Restbestände von Plastikmüll, auch sind ja nicht alle Plastikflaschen für Wasser, Shampoo, Ketchup etc verschwunden, aber man sieht doch eine deutliche Besserung, auf jeden Fall an den Straßenrändern.

Ein großes Problem ist jedoch nach wie vor die Müllhalde. Denn dort entzündet sich der Müll durch Glasscherben, die in der Sonne liegen, teilweise von alleine, und der beißende Geruch, der uns schon stört, wenn wir daran vorbei fahren, zieht direkt in das SOS Kinderdorf mit einer Schule von 1500 Schülern auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Also die Lösung aller Probleme ist das Abschaffen der Plastiktüten damit nicht, aber in einem so kleinen Land wie Gambia mit nur einem Bruchteil der Gesetztes- und Vorschriftenmenge von Deutschland können Plastiktüten innerhalb von einer Woche komplett verschwinden.  Das macht erst mal nach!!!!!

Wir sind jetzt nur noch mit Baumwolltaschen und Tupperdosen unterwegs.

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Mariama, ein Vorbild in Sachen Geduld

O mein Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine Stärke in allen Dingen. [31:17] 

Heute möchte ich euch von einer ganz besonderen Frau erzählen, die ich gestern treffen durfte. Ich nenne sie Mariama. In Wirklichkeit heißt sie anders, und ich werde auch diesmal keine Fotos zeigen, denn Mariamas Schicksal ist so traurig, dass sie nicht möchte, dass es öffentlich gemacht wird. Es ist eine wahre Geschichte, aber sie ist so herzergreifend, dass ich dieses Mal auch über diesen Blog um Hilfe für diese arme Frau bitte. Eigentlich sollte dieser Blog ausschließllich für Hintergrundinformationen zum Thema Armut, dem Leben zwischen den  Kontinenten und der Menschlichkeit im Allgemeinen sein. Doch besondere Ereignisse erfordern besondere  Mittel. 

Wie einige von euch vielleicht wissen, leite ich eine Hilfsorganisation in Gambia. Für diesen Zweck haben wir eine fb Seite (Help the poor and the needy e.V.) und einen Blog http://help-the-poor-needy.blogspot.com. Wer mehr über unsere Arbeit wissen möchte, den bitte ich sich dort weiterführend zu informieren. 

Doch nun zur Geschichte selbst. Mariama, inzwischen über 60, hatte eine gehobene Stellung in der Regierung. Sie war sehr beliebt, immer freundlich und großzügig, niemals sparsam mit Geschenken und kochte gerne für alle Kollegen. Sie hat 4 gesunde, wunderhübsche und kluge Töchter, alle mit Abitur, ein schönes Haus im eigenen Grundstück. Alles schien perfekt, bis zum Tag X, der ihr Leben komplett veränderte. 

Doch was ging diesem Schicksalsschlag voraus?

Ihr Mann hatte ca. 1,5 Jahre zuvor das Familiengrundstück verkauft. Der neue Besitzer forderte immer wieder sein Grundstück ein, doch der Familienvater vertröstete ihn permanent. Bis der neue Besitzer die Polizei einschaltete. Als eine der Töchter aus der Schule kam, zwang die Polizei sie die Tür zu öffnen. Sie holten den ganzen Hausrat aus dem Haus und warfen ihn auf die Strasse. Die Tochter rief verzweifelt ihre Mutter an. Als sie das Grundstück betrat und sich auswies, hatten die Polizisten ein Einsehen und stellten die Möbel an die Mauer. Abends um 22 Uhr kam dann der Familienvater nach Hause und brachte die Familie auf ein Grundstück irgendwo in der Pampa ohne fließend Wasser und Strom, dann verschwand er zu seiner zweiten Frau. 

Mariama litt mit ihren Kindern in ihrem neuen Zuhause. Die zwei ältesten Töchter hatten später die Chance nach Frankreich bzw. England zu gehen. Das Leben ging irgendwie weiter, aber unter erschwerten Bedingungen. Dann passierte etwas, dass die eh schon schwierige Situation noch verschlechterte. 

Die Mutter erlitt einen Schlaganfall und ist seitdem vom Bauch abwärts gelähmt, und alle vier Töchter sind geisteskrank geworden. Die älteste ist immer noch in London und dort in einer Klinik. Die zweite wurde von ihren Freunden von Frankreich nach Hause geschickt, und die beiden jüngsten waren noch bei der Mutter. Nun sind die zwei mittleren Töchter in einer Psychiatrischen Klinik in Gambia und die jüngste zu Hause. Sie läuft hinter dem Haus auf und ab und redet permanent mit sich selbst, ab und an schreit sie dann auch und beschimpft Leute, die gar nicht anwesend sind. Sie braucht für etwa 25€ monatlich Medikamente, damit sie überhaupt schlafen kann. Eine der Töchter hat auch noch einen 13-jährigen Sohn und eine 7-jährige Tochter. Die Kleine wohnt in dem SOS-Kinderdorf, und der Junge wohnt bei der Großmutter, und sie muss nun auch noch für seine Schulgebühren aufkommen. Er ist sehr gut in der Schule, ich habe das Zeugnis gesehen. Nach deutschen Maßstäben würde ich sagen im Durchschnitt eine 2-. 

Sie wohnen sehr einfach. Ein lieber Freund mietete eine 2-Zimmerwohnung für sie, in der sie jetzt mit ihrer jüngsten Tochter und dem Enkelsohn lebt. Klingt erstmal gut, doch bei näherem Hinsehen, ist auch das nicht optimal. Auf meine Frage, wie wir ihr helfen können zum Beispiel mit einem Sack Reis alle zwei Monate sagte sie, dass sie nicht so viel Reis essen, da ja niemand da ist, der kochen könnte. Manchmal würde die Nachbarin für sie mitkochen. Sie würden eigentlich nur Brot essen. In den Schulferien kommen manchmal Mädchen zu ihr, die dann für 16€ im Monat bei ihr putzen und kochen. Also kaum ein warmes Essen für die Familie. Und das für eine Frau, die in ihren gesunden Zeiten immer für ihre Kollegen gekocht hat. 

Wasser ist auch ein Problem. Sie hatten mal einen Wasserhahn im bzw. am Haus, aber der wurde vor ein paar Monaten abgestellt. Vielleicht hat der Hausbesitzer nicht bezahlt. Jetzt ist auf der Strasse ein öffentlicher Wasserhahn, aber der ist tagsüber nicht zu benutzen, da der Wasserdruck wohl nicht ausreicht. Ich kenne das von anderen Gegenden auch, dann muß jemand von der Familie nachts aufstehen und einige Eimer Wasser für den nächsten Tag holen. So ist es bei ihr auch, nur dass keiner aus der Familie es machen kann. So bezahlt sie 10ct pro Eimer. 

Gekocht wird in kleinen Kohleöfen vor oder hinter dem Haus. Das ist wohl da, wird aber selten benutzt. 

Ich fragte noch, ob sie denn Hilfe aus der eigenen Familie bekommen könne. Sie sagte, ihre Schwestern haben ihr immer geholfen, aber sie sind mittlerweile alle verstorben. Dann hatte sie noch einen Nachbarn, der als Arzt im größten Krankenhaus des Landes gearbeitet hat. Er hat sie immer zu Hause behandelt. Doch nun ist auch er vor 4 Monaten verstorben. 

Als wir kamen saß sie auf ihrem Bett. Ich fragte sie dann, ob sie auch mal vor die Tür kann, oder ins Wohnzimmer. Sie zeigte uns dann ihren Rollstuhl, der aber keine Fußstützen hat. So kann sie niemand irgendwohin fahren, weil ihre Füße auf dem Boden schleifen. So ist ihr Aufenthaltsort meistens das Bett. Am Ende wollte ich dann noch wissen, was denn ihr persönlich größter Wunsch ist. Da strahlten ihre Augen, als sie sagte „eine neue Matratze“. So wie sie jetzt schläft, wacht sie jeden Morgen mit Schmerzen im Rücken und in den Hüften auf. In den Ellenbogen hat sie Arthritis, so dass sie bei jeder Bewegung schmerzen. Da kommen wir noch zu einem anderen Problem – die Tabletten. Sie nutzt jeden Tag Paracetamol für ihre Gelenke. Aber jeder weiß, die Paracetamol in Gambia sind aus Indien, und dort ist mehr Kreide als irgendetwas anderes enthalten. Wirkung gleich Null. Sie wünscht sich ein paar Paracetamol-Packungen aus Deutschland.

Wir hoben dann die Decke auf dem Bett etwas hoch und sahen eine etwa 5cm dicke Matratze, die in mehreren Einzelteilen auf dem Bett lag. Eine neue Matratze „Kingsize“ ca 15cm dick, kostet 60€, zu viel für die kleine Familie. Ich fragte sie, wer denn alles in dem Bett schläft. Der Enkel und sie, die Tochter schläft auf den Fliesen im Wohnzimmer.

Um dieser armen Frau zu helfen, könnte ich mir folgendes Programm vorstellen. Vielleicht finden wir Unterstützer, die uns helfen, die kleine Familie zunächst für ein Jahr zu unterstützen. 

  • 30€ Lebensmittel im Monat
  • 30€ Dienstmädchen im Monat
  • 25€ für die Tabletten der Tochter

Einmalig 

  • 60€ für die Matratze der Mutter und 
  • 30€ für die Matratze der Tochter 
  • einmal im Jahr ca  150€ für die Oberschule des Enkels. (Auf Wunsch schicke ich gerne ein Foto des Jungen per PN oder mail. Ein wirklich hübscher Junge) 
  • Und vielleicht ein neuer Rollstuhl mit Fußstützen. 

Viielleicht gibt es unter den Lesern auch Interessierte, die uns vielleicht mit Medikamenten, Rollstühlen oder andere Sachmitteln aushelfen können. Ein Gebet für die Familie hilft aber auf jeden Fall.

Mariama ist wirklich ein großes Vorbild für mich, ein Schicksal mit Güte, Zuversicht und vor allem Geduld zu ertragen. Sie selbst sagt, wäre sie nicht eine gläubig Frau, hätte sie schon längst aufgegeben. Ich würde mir sehr wünschen, wenn wir ihr ihr Schicksal etwas erleichtern könnten.

O mein Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine Stärke in allen Dingen. [31:17] 

Wer Fragen zu unserem Verein oder diesem Hilfeaufruf hat, kann uns gerne kontaktieren: mail@helpthepoor.de
Unsere Kontonummer ist: 

Help the poor and the needy e.V
Bank für Sozialwirtschaft 

IBAN DE47100205000003291200 
BIC BFSWDE33BER

Danke für deine Aufmerksamkeit und dass du diesen Artikel zu Ende gelesen hast! 

Glück ist, wenn man trotzdem lacht!

Das ist natürlich etwas einfach ausgedrückt. Aber hast du es schon einmal erlebt, ein Glücks- und Dankbarkeitsgefühl für deine aktuelle Situation zu haben? Es ist ein fast berauschendes Gefühl der Zufriedenheit, wenn alles, so wie es ist, gut ist. Nichts, außer das tägliche Brot wird mehr benötigt, und das eigene Streben kann sich einzig auf die Taten beziehen, die dich Gott und dem Hereafter näher bringen. Dabei spreche ich nicht von einem Aufenthalt in Deutschland, einem Land, in dem es immer fließend Wasser, Strom und ausreichend Essen gibt. Nein, es handelt sich um den Aufenthalt in einem sogenannten Entwicklungsland, das sich, so der Wortlaut, ja erst noch entwickeln muss. Zufrieden zu sein, wenn es kein Strom gibt. Zufrieden zu sein, wenn es länger mal kein Wasser gibt. Dafür aber auch zu erkennen, dass täglich die Sonne scheint, und  dass du nur zum nächsten Baum gehen brauchst, um Bananen und Mangos satt zu haben. 

Im Mangel eine Lebensqualität zu sehen, scheint mir eine Aufgabe, die die einen unfreiwillig machen müssen, andere vielleicht freiwillig einmal tun sollten, um sich wirklich reich zu fühlen. Reich sein im herkömmlichen Sinne erfordert auch eine enorme Aufmerksamkeit auf die erworbenen Dinge. Sie müssen gehegt und gepflegt, gelagert  und geputzt werden. Wir brauchen mehr und mehr Schränke, um all die erworbenen „Schätze“ unterzubringen, vielleicht sogar größere Wohnungen und so weiter. 

Das alles benötigt Zeit. Zeit, die wir damit verbringen, uns um Dinge anstatt um Menschen zu kümmern. Gar nicht davon zu sprechen, dass wir keine Zeit mehr haben für weltliches aber vor allem spirituelles Wissen. Jeder von uns achtet sorgsam darauf, nicht ohne Handy aus dem Haus zu gehen. Aber wer von uns hat denn sein Koran oder seine Bibel immer dabei und liest auch regelmäßig darin? Wer von uns klopft mal bei den Nachbarn und fragt, wie es ihm geht anstatt lieber mit den Freunden aus der ganzen Welt zu chatten? 

Zurück zu den Schränken. Wer einmal zu Besuch bei Familien war, die von der sprichwörtlichen Hand in den Mund leben, der fühlt wie unsinnig es ist, 20 Paar Schuhe im Schrank zu haben so wie mindestens 10 Handtaschen. In diesem Zusammenhang kommt mir immer wieder der Spruch „Weniger ist manchmal mehr“ in den Sinn. Abgeben, entrümpeln, ausmisten macht frei; nicht nur das Haus, auch die Seele.  

Bitte nicht falsch verstehen: Das ist kein Aufruf zur Armut, es ist eine Bitte über den eigenen Überfluss nachzudenken. Die Resourcen sind auf dieser Erde definitiv schlecht verteilt. Die große Politik können wir nicht ändern, auch nicht, wenn wir fleißig zur Wahl gehen. Aber wir können bei uns selbst anfangen. Ich habe es gemacht, und es fühlt sich gut an. 

Sokrates sagte einmal, als er über den Markt ging: „Wie viele Dinge gibt es doch, derer ich nicht bedarf.“

Mit dem zufrieden sein, was man hat. Das gilt nicht nur für Materielles, auch für Lebenssituationen. Es tut weh, wenn du in der eigenen Familie siehst, wie jemand mit seinem Schicksal hadert. Besonders, wenn es keinen Weg gibt, es zu ändern. Niemand möchte seine Angehörigen leiden sehen. Oft hilft dann noch nicht mal gutes Zureden. 

Es gab einmal einen weisen Mann, der Vorträge in der ganzen Welt hielt und plötzliche durch einen Schlaganfall an den Rollstuhl gebunden war. Er schrieb in einem Artikel: I am no more a lecturer, a cellist or a golfer. I am a looking-out-of-the-window-man, but I feel nearer to God than any time before. (Ich bin kein Vortragender mehr, kein Cellist oder Golfer. Ich bin ein aus-dem-Fenster-sehender-Mann, aber ich fühle mich Gott näher als jemals zuvor.

Ich wünsche jedem, ob reich oder arm, dass er Überflüssiges abgeben kann und mit dem Schicksal, das Gott ihm gegeben hat, zufrieden ist. Dieser Wunsch richtet sich besonders an die nach Lampedusa Aufbrechenden als auch an die, die sie dann später beherbergen müssen.  

Abu Huraira, radi’allahu anhu, berichtete, dass der Prophet Muhammed, ṣallā llāhu alayhi wa-sallam, sagte: „Das Reichsein versteht sich nicht als der Besitz von vielen Gütern, vielmehr besteht das Reichsein aus der Tugend der Genügsamkeit, die sich der Mensch zu eigen macht .“ (Al-Bukhari, Kapitel: 74, Nummer: 13)

Familie ist schön, oder?

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Wenn ich von einem Kontinent zum anderen fliege, kommt es mir oft vor, als ob ich durch die Jahrhunderte reise. Bin ich in einem Land, indem die Mehrehe und die Großfamilien an der Tagesordnung sind, und 30 oder mehr Personen einer Familie auf einem Grundstück zusammenleben, ist es, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Nicht selten leben vier Generationen unter einem Dach, jeder hilft jedem, aber es gibt natürlich auch mehr Streitereien. Auf die Frage, wie die jungen Leute denn später einmal leben möchten, gibt es aber dann nur eine Antwort: In einer Kleinfamilie.
Durch die westlichen Einflüsse wie Tourismus und Fernsehen scheint ein Trend zur Individualisierung losgetreten worden zu sein.
Was früher noch überlebenswichtig war, wird heute vielen jungen Menschen oft lästig. Sei es, dass sie als Alleinverdiener eine Großfamilie ernähren müssen, oder als Arbeitsloser von einem anderen Familienmitglied abhängig sind. Individualität ist in beiden Fällen nicht möglich, doch aber so gewünscht.
Ein anderer Trend zur Individualisierung ist auch an den Namen abzulesen. Reden wir von Gambia, dem kleinsten Land auf dem afrikanischen Kontinent, stellen wir fest, dass es nicht übermäßig viel verschiedene Familien gibt, das heißt, die Menge an Nachnamen ist begrenzt. Bei den Vornamen sieht es auch nicht anders aus. In muslimischen Ländern werden die Kinder gerne nach berühmten Vorbildern benannt, und traditionell wird das erstgeborene Mädchen Fatou (Fatima) und der erstgeborene Junge Lamin (Al Amin, Beiname des Propheten Mohammed (sws)) genannt. So kommt es nicht selten vor, dass wenn du in eine Schulklasse den Namen Fatou rufst, sich schnell mal 7-8 oder mehr Schülerinnen angesprochen fühlen. Ähnlich mit Aisha (auf afrikanisch Issatou) oder Momodou (Mohammed).
Nicht viel anders verhält es sich mit den Nachnamen. Es gibt verhältnismäßig wenige Familien, die aber alle entsprechend groß sind. Und irgendwie wird man das Gefühl nie los, als ob jeder jeden kennt.
Also wieder nichts mit Individualisierung. Ein paar ganz Clevere lassen sich dann mit ihren Initialen anreden. Manchmal auch mit denen von Popstars. Nun ja. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
So manches Einzelkind in Deutschland wäre froh, wenn es ein paar Geschwister hätte. Oder vielleicht auch nicht? Zeichnet sich ja in Deutschland ein Trend ab, der zum Superindividualisten führt. Ist das gemeinsame Wohnen schon fast zur Zumutung geworden, geht Heiraten schon mal gar nicht. Das gemeinsame Erziehen der Kinder ist auch irgendwie nicht mehr “in“, obwohl es in der Arbeitsteilung um so viel einfacher wäre. So wächst ein Heer von Kindern von alleinerziehenden Hartz4-Empfängerinnen heran, da arbeiten und Kinder erziehen alleine in der Tat nicht so einfach ist. Die Kinder hätten sich das so bestimmt nicht ausgesucht.
So hören wir ständig von der Doppelbelastung der Frauen, aber was machen eigentlich die Männer in der Zwischenzeit? Arbeiten sie etwa doppelt so hart, weil sie weniger zeitliche Verpflichtungen haben?
Für mich ein Zustand einer unerträglichen Kompromisslosigkeit.
Wo ist die nette Kleinfamilie geblieben, in der alle ihre Aufgaben und die Kinder Vater und Mutter haben? Nur wenige davon schon in Afrika und nur noch wenige in Europa.
Es ist nicht zu übersehen, dass die Industrieländer die großen Vorbilder für die meisten Afrikaner sind. Lampedusa lässt grüßen. Doch warum möchte denn keiner mal genau hinsehen, dass dort auch nicht alles Gold ist, was glänzt? Mein Appell daher für heute: Verbessert das, was ihr habt, anstatt dort hinzuschauen, wo auch nicht immer alles klappt.

„Entschleunigung“- Fluch oder Segen

Stell dir vor du hast einen Termin am Dienstag um 15 Uhr, und deine Verabredung kommt am Freitag um 17 Uhr.   Ärgerlich, oder?  Im Sinne unserer schnelllebigen Welt bestimmt. Denn alles unterliegt einer gewissen Beschleunigung. Am markantesten ist wohl der Satz „Zeit ist Geld“, um diesen Umstand zu beschreiben. Doch diese Erfahrung muss man nicht überall machen. Noch gibt es Gegenden, die sehr viel entschleunigter leben als wir in Deutschland. 

Ein anderes Beispiel aus Afrika: Letztens bin ich mit meinem Sohn um 14.30 Uhr zum „Shop“ gegangen, um Lebensmittel zu kaufen, doch der „Shop“ war zu. Ein Passant sagte, der „Shopkeeper“ würde sich bis 17 Uhr ausruhen. Mein Sohn (mit deutscher Prägung) sagte darauf hin: „Aber wenn er jetzt schläft, kann er doch kein Geld verdienen!“

Doch warum erzähle ich das alles? Es geht mir heute um Lebensqualität. Zeit für sich selbst und Gespräche mit anderen zu haben, mit dem anderen zu fühlen. Selten habe ich so viel Mitgefühl erlebt, wie in weniger hoch entwickelten Ländern, in denen Krankenbesuche zu wahren Familientreffen ausarten, zu Beerdigungen und Hochzeiten das ganze Dorf kommt, und wenn ein Baby geboren wird, sind sowie so alle da, um das neue Baby zu begrüßen. 

Jetzt werden viele wahrscheinlich sagen, wie kann man den bei so viel Feierlichkeiten und Mitgefühl noch arbeiten? Ja, das ist ein berechtigter Einwand. Vielleicht ist das auch ein Grund für den langsameren Fortschritt und die insgesamt ärmeren Verhältnisse (zumindest in finanzieller Hinsicht) als in den Industrieländern. Aber worauf kommt es denn an im Leben? Geht es um wirtschaftlichen Fortschritt oder um Lebensqualität? Man könnte meinen, dass es auf einem afrikanischen Markt beispielsweise auch nur um das liebe Geld geht, so hektisch der Eindruck dort ist, doch nein, hier und dort ist immer noch Zeit für einen kleinen Plausch, und es wird viel gelacht. 

Gegenseitige private Besuche sind ein Muss. Oft kann man dann seinen Terminen nicht nachkommen und lässt andere warten, aber einen Besucher wieder weg zu schicken, das geht gar nicht. Wohlstand und Fortschritt sehen anders aus. Bei so viel Gelassenheit muss dann schon noch die Frage erlaubt sein, ob sie mit der nötigen Ernsthaftigkeit, ihr Brot verdienen. Sicher wäre bei dem einen oder anderen mehr Seriösität in der Arbeit oder bei ihren Geschäften auch lukrativer für den Geldbeutel. Doch da fängt ein anderes Problem an. Wir als ein NGO, der sich für die Verbesserung der Lebenssituation der Armen einsetzt, stehen dann immer wieder vor dem Problem, gesellschaftlich gewachsene Gewohnheiten ändern zu müssen/wollen, um ihnen mehr finanziellen Rückhalt anzubieten. Eine nicht immer leicht zu lösende Aufgabe für uns. 

So falle ich dann immer wieder beim Hin- und Her-Reisen von einem Kulturschock in den anderen. Ist mein  Aufenthalt in Deutschland von Smartfone-Nutzern um mich herum geprägt, die in Wartezimmern, der U-Bahn, beim Laufen auf der Straße, in Cafés, auf Spielplätzen und überall nur auf ihr Handy geblickt haben und keine verbale Kommunikation mehr stattfindet. Zum Vergleich mit den Krankenhausbesuchen in Afrika, habe ich in Deutschland erlebt, dass Fotos von frisch operierten Kindern noch im Aufwachraum erstmal auf Facebook gepostet wurden. Ob den Kindern das gefällt, wage ich zu bezweifeln. Persönliche Besuche waren aber eher die Ausnahme.  

Oder die Jugendlichen, die keine „echten“ Freunde mehr nach Hause bringen, sondern nur noch vituelle, die dafür aber rund um die Uhr. Diese ständige Erreichbarkeit erzeugt Stress. Wenn sogar Mitarbeiter einer Firma 24 Stunden am Tag ereichbar sein müssen oder wollen, ist die Be-schleunigung wohl auf ihrem Höhepunkt angekommen. Der so erzeugte Druck löst im schlimmsten Fall Krankheiten aus.  

So komme ich mal wieder zu dem Schluss: etwas mehr Be-schleunigung für die einen und etwas mehr Ent-schleunigung für die anderen, könnte beiden Seiten das Leben lebenswerter machen. 

Wenn geliebte Personen gehen müssen

Wenn von uns geliebte Personen diese Welt verlassen, ist das traurig. Manchmal werden sie aus dem Leben gerissen und die Trauerarbeit der Hinterbliebenen fängt dann an. In anderen Fällen, in denen das nahe Ende absehbar ist, kann eine Trauerarbeit schon vorher anfangen, bestenfalls sogar mit der Person selbst. Es ist ein Abschiednehmen auf Zeit. NIemand von uns weiß, wann seine Zeit gekommen ist, und für das, was danach kommt, hat jeder wohl seine eigene Sichtweise. 

Wir können weder an dem Zeitpunkt noch an dem Verlauf etwas ändern. Doch vielleicht haben wir die Chance, den Abschied und das Loslassen so würdevoll wie möglich zu gestalten. Ist es nicht an uns Angehörigen, bestimmte Zeichen zu erkennen? Muss die Medizin um jeden Preis Vorrang vor einem würdevollen Abreten aus dieser Welt haben? Natürlich muss ein Arzt schwören, dass er alles tut, um Menschleben zu retten. Aber um welchen Preis? Nun kommt wieder der Blick über den Tellerrand ins Spiel. 

Es ist eine schwierige Gradwanderung abzuschätzen, wie viel Medizin noch gut tut, oder ob es nicht auch besser sein könnte, weniger Medizin, dafür vielleicht ein schnelleres, aber würdevolleres Ende. In ärmeren Gegenden stellt sich diese Frage oft nicht, da sie keine Wahl haben. Nun ist man in Deutschland ja gut krankenversichtert, und hier stellt sich die Frage nicht, weil die Medizin verfügbar ist. Fehlt uns durch die Verfügbarkeit der Mittel inzwischen der Blick fürs Wesentliche, oder sind wir fremdgesteuert durch die Götter in Weiß? Sie übernehmen ja nicht die Entscheidungen, die müssen die armen Angehörigen treffen, die eben kein Medizinstudium absovliert haben.

Selbstverständlich ist es schwer, sehr schwer erstens den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, und hinterher ist man immer schlauer. Von Sterbehilfe möchte ich hier nicht sprechen, das verbietet sich für gläubige Menschen sowieso, doch wann ist der richtige Moment im Sinne der Würde des Patienten, sein Leben in Gottes Hände zu geben und die Lebenserhaltungmaschinerie aufzugeben? Ist es immer nur die Sorgen um den Patienten oder nicht ein Stück weit auch das „Nichtgehenlassenwollen“ der Angehörigen? Eine schwierige Prüfung für alle Beteiligten. Ich wünsche Allen, die in solche Situationen kommen, dass sie gemeinsam in der Familie darüber beraten können, ohne in die Fänge der Lebenserhaltungmaschinerie der Ärzte zu kommen. Gerade bei multiplen Erkrankungen können Angehörige schnell mit der Entscheidung überfordert sein, und am Ende muss der Patient einen Medikamentencocktail zu sich nehmen, dessen Nebenwirkungen ein würdevolles Leben unmöglich machen. Um wieviel schwerer fällt dann auch die Trauerarbeit, wenn wir mit ansehen müssen wie unsere Lieben leiden müssen. 

Mögen wir alle immer die richtigen Entscheidungen mit unseren Angehörigen treffen, um ihnen ein Leben oder Sterben mit größter Würde zu ermöglichen.  

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