Es war ein warmer Morgen vor 13 Jahren, als wir zum ersten Mal zehn Hammel für Bedürftige kaufen konnten. Ich war so glücklich. Auf dem Grundstück einer Schule stand ein Händler mit einer ganzen Herde. In der Luft lag der Duft von Schafen und die Vorfreude auf das Fest. Dieses Fest, das in der islamischen Welt als Eid ul-Adha bekannt ist, trägt eine tiefere Bedeutung, als es auf den ersten Blick erscheint – eine Bedeutung, die sich sowohl auf individueller als auch globaler Ebene zeigt. Im letzten Jahr konnten wir nun schon 127 Hammel verteilen, eine großartige Entwicklung.
Ein Symbol der Hingabe und des Teilens
Qurban, überwiegend als männliches Nomen verwendet, bedeutet wörtlich „Opfergabe“ und „die Nähe zu Gott”, wird aber auch häufig für den Hammel selbst verwendet.
Die Qurbanzeremonie, das Opfern eines Tieres im Gedenken an die Hingabe des Propheten Ibrahim (Abraham), ist nicht nur eine religiöse Pflicht. Es ist ein Symbol für die Bereitschaft, das eigene Beste für Allah zu geben und mit den Bedürftigen zu teilen. In einer Welt, die nicht selten von materiellem Streben geprägt ist, erinnert uns der Qurban daran, dass wahres Glück im Geben liegt.
Für Muslime weltweit ist dieser Akt des Opferns ein Ausdruck von Dankbarkeit, Glauben und Mitgefühl. Das Fleisch des geopferten Tieres wird traditionell in drei Teile aufgeteilt: Ein Drittel bleibt bei der Familie, ein Drittel wird an Freunde und Nachbarn verschenkt, und ein Drittel wird an die Armen verteilt. Diese Praxis sorgt dafür, dass Millionen von Menschen, die sich vielleicht nur selten Fleisch leisten können, an diesem besonderen Tag eine nährstoffreiche Mahlzeit erhalten.
Die Seele erfreut es: Wir geben das Beste für Allah, drücken unsere Dankbarkeit, unseren Glauben und unser Mitgefühl aus.
Die globale Dimension des Qurban
Die Bedeutung des Qurban geht jedoch über die individuelle Frömmigkeit hinaus. Jährlich werden durch Spendenorganisationen Millionen von Qurban in den weltweit ärmsten Regionen verteilt. Diese Aktionen zeigen, wie eine religiöse Tradition zu einem Werkzeug für soziale Gerechtigkeit werden kann.
In einer Welt, in der laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) über 800 Millionen Menschen hungern, bringt der Qurban eine dringend benötigte Entlastung. Es ist ein Beispiel dafür, wie Gemeinschaften über Grenzen hinweg zusammenarbeiten können, um den weniger Glücklichen zu helfen. Gleichzeitig erinnert er uns daran, dass der Kampf gegen Armut und Hunger eine kollektive Verantwortung ist.
Die Seele erfreut es: Sie wird daran erinnert, dass wir eine kollektive Verantwortung haben und wir dafür ein Werkzeug für soziale Gerechtigkeit in der Hand haben.
Die Bedeutung des Qurban für Gambia
In Gambia, einem der kleinsten und ärmsten Länder Afrikas, hat der Qurban eine besondere Bedeutung. Für viele Familien ist das Opferfest eine der wenigen Gelegenheiten im Jahr, um Fleisch auf den Tisch zu bringen. Fleisch als wichtiger Eiweißträger, besonders für die Kinder, ist ein weiterer Grund für unsere Solidarität. Hier wird der Qurban zu einem Symbol der Hoffnung, der Stärkung und der Gemeinschaft.
Eure Spenden aus Deutschland machen es uns möglich, dass auch in Gambia die Opfertiere verteilt werden. Diese Spenden sind oft wie eine Lebensader für die Menschen, insbesondere für Witwen, Waisen und andere vulnerable Gruppen. Ich erinnere mich an die strahlenden Gesichter der Kinder, als sie „ihr” Qurban erhielten – ein Anblick, der die wahre Essenz des Qurban einfängt.
Überdies stärkt das Opferfest den Zusammenhalt. Familien, die vielleicht das ganze Jahr über miteinander ringen, kommen zusammen, um diese besondere Zeit zu feiern. Das Teilen des Opferfleischs wird zu einem Akt der Solidarität, der die Gemeinschaften enger zusammenschweißt.
Die Seele erfreut es: Sie sieht, dass Bedürftige wichtige Nährstoffe erhalten und Menschen wieder näher zusammenrücken.
Herausforderungen und Chancen
Trotz der positiven Auswirkungen gibt es auch Herausforderungen, die mit der Durchführung des Qurban in Gambia und anderen ärmsten Regionen verbunden sind. Die Logistik der Hammelverteilung, die Sicherstellung der Hygiene und die Auswahl geeigneter Tiere erfordern eine sorgfältige Planung. Doch mit der richtigen Unterstützung und Koordination können wir diese Herausforderungen meistern.
Eine weitere Chance besteht darin, den Qurban nachhaltiger zu gestalten. In Gambia könnten etwa lokale Landwirte unterstützt werden, um hochwertige Tiere für das Opferfest zu züchten. Dies würde nicht nur die Wirtschaft vor Ort ankurbeln, sondern auch dazu beitragen, die Umweltbelastung durch den Transport von Tieren zu reduzieren.
Ein Aufruf zur Handlung
Der Qurban ist mehr als ein Ritual. Er ist eine Einladung, unsere Ressourcen, unser Mitgefühl und unsere Verantwortung miteinander zu teilen. Für diejenigen unter uns, die das Privileg haben, das Opfertier leisten zu können, ist es auch eine Gelegenheit, über unseren Lebensstil nachzudenken und wie wir mehr für die Bedürftigen schaffen können. Für alle, die diese Gedanken verstehen, bietet das Opferfest eine ideale Gelegenheit, sie als eine Win-win-Situation zu sehen. Familienväter in Deutschland können nicht schlachten und in Gambia können sie sich keinen Qurban leisten. Was liegt da näher, als einander zu unterstützen.
Der Qurban erinnert uns daran, dass unser Glaube eine Quelle der Kraft und der Hoffnung sein kann – für uns und für die Welt und ein Mittel zur Veränderung in einer ungleichen Welt. Lasst uns diese Hoffnung weitergeben und dafür sorgen, dass der Geist des Opferfestes das ganze Jahr über lebendig bleibt.
Bitte spende dein Qurban an die Bedürftigen in Gambia: http://www.helpthepoor.blog/spendenformular

