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Ramadan in Gambia – die Freude ist groß

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Wir wünschen allen Muslimen einen gesegneten Ramadan 2024.

95 % der Bevölkerung Gambias sind Muslime. Daher fastet beinahe das ganze Land im Ramadan. Sie verzichten auf das Essen vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Doch was essen sie dann? Das hängt sehr von ihrem Geldbeutel ab. Wer kann kocht ein warmes Essen für die Familie. Andere wiederum nehmen mit dem berühmten Mono vorlieb. Mono ist Hirsemehl, das durch das Dazugeben von Wasser in kleine Kügelchen geformt werden kann. Diese werden dann getrocknet und sind so eine Weile haltbar. Zum Essen kochen die Frauen sie dann mit Wasser zu einem leckeren Hirsebrei auf. Mit Dickmilch und Zucker zubereitet schmeckt es köstlich.Wieder andere haben nicht einmal das, sondern brechen ihr Fasten mit einer Handvoll Erdnüssen.

Als ich das zum ersten Mal gehört hatte, war mir klar: Hier müssen wir helfen. 2014 begannen wir dann Spenden zu sammeln für ein paar kleine Pakete. Die ersten Pakete bestanden aus einer Packung Teebeutel und einer Tüte Zucker. Jedes Jahr wurde die Pakete mehr und größer. Wir haben viel getestet und mittlerweile wissen wir, was den Empfängern gefällt und für uns leicht zu packen und haltbar ist. Jedes Jahr wird die Menschenmenge vor unserem Ausgabeort größer. Das liegt wohl zum einen an der immer größeren Bekanntheit unserer Aktion, aber auch an der stetig wachsenden Armut, aufgrund steigender Preise.

Unser Ziel für 2024

Im Jahr 2023 konnten wir 940 Pakete verteilen. Was lag da näher, als das Ziel mit 1000 Pakete anzusetzen? Wir haben es tatsächlich geschafft. 1000 Familien sind jetzt ein wenig zufriedener. Sie können sich ein besseres Frühstück zubereiten und haben einige Lebensmittel für das Fastenbrechen. Waren wir letztes Jahr noch etwas überfordert von der Menge der Artikel und der Menge der Menschen, hatten wir dieses Jahr alles im Griff und waren gut vorbereitet.

Die Vorbereitung

Wohl dem, der Routinen entwickeln kann, weil er eine Tätigkeit oft genug durchführt. Waren wir im letzen Jahr sehr angespannt angesichts der Menschenmengen, konnten wir der Verteilung dieses Jahr entspannter entgegensehen. Wir waren gut vorbereitet und haben mit allen Schritten rechtzeitig begonnen. Aber es blieb spannend. 10 Tage von dem Ende der Spendenmöglichkeit hatten wir erst 187 Pakete. Da kamen mir schon die ersten Zweifel. Doch mein Mitarbeiter beruhigte mich und erinnerte mich an die vergangenen Jahre. Die meisten Pakete werden immer in der letzten Woche gespendet. Und tatsächlich, anschließend ging es im Hunderter-Rhythmus weiter. Am Ende waren es wirklich und wahrhaftig 1000 Pakete. Die Stimmung war an allen drei Tagen hervorragend und alle waren hoch motiviert. Nachdem die finale Zahl der gespendeten Pakete festgestanden hatte, konnten wir das Paket zusammenstellen, die Helfer und deren Verpflegung organisieren, das Zelt und die Stühle ordern, die fehlenden ID Karten bestellen, die Listen vorbereiten …

Ein Event wie die Ausgabe von 1000 Paketen erfordert Erfahrungen, weniger in der Vielfalt der durchzuführenden Tätigkeiten, sondern in dem Wissen um die Mentalität der Empfänger. Je ärmer die Menschen, desto größer der Bedarf. Das ist zunächst nichts Neues. Doch welche Verhaltensweisen damit einhergehen, konnte ich zunächst nicht glauben und wollte es auch lange Zeit nicht wahrhaben. Kurz gesagt. Zu der Vorbereitung von 2024 gehörte auch, eine Spezialgruppe der Polizei anzufordern. Das sind die ganz harten Jungs, ganz in Schwarz gekleidet. Sie haben bei der Ausgabe für etwas mehr Ruhe und Disziplin gesorgt. Es war eine brillante Entscheidung sie dabei zu haben, denn so blieb es friedlicher und das Tor des Schulgrundstücks unversehrt.

Der Einkauf

Am Montag, dem 4.3.24 fuhren wir dann nach Banjul, um die Artikel für das Paket zu kaufen. Da nur die wenigsten Checks akzeptieren, mussten wir das Bargeld von der Bank holen. War es mir in Deutschland kaum noch möglich größere Summen von der Bank zu bekommen, ist es hier noch Standard. Nach erfolgreichem Einkauf ging es zurück zum Schulgründstück. Dort verwahren wir im Verwaltungsgebäude die Lebensmittel bis zum Packtag am nächsten Tag. Ein Transporter und ein Lkw lieferten die Ware und 12 mehrheitlich Helferinnen halfen, die Kartons ins Haus zu tragen.

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Das Packen

Am nächsten Tag trafen wir uns dann zum Packen. Zunächst wurden alle Kartons unter das Zelt gestellt. Von schwer nach leicht sortiert. Die Frauen saßen in Grüppchen um die Zuckersäcke und füllten sie in 3 kg Beutel um. Die Männer packten dann die Pakete und trugen oder fuhren sie mit Schubkarren in das Haus zurück. Dort füllten sich zwei Zimmer voll mit den Paketen. Von 11 bis kurz vor Sonnenuntergang um 19 Uhr waren sie beschäftigt. Zwischendurch gab es Frühstück (ein halbes Baguette mit Kartoffel, Ei und Sardinen) und später dann Domoda (Reis mit Fleisch und Erdnuss-Soße). Zwei junge Männer, 17 und 18 Jahre alt, taten sich besonders hervor. Sie arbeiteten so hart und fleißig, ohne ein Stöhnen oder Murren. Masha Allah, ganz tolle Jungs. Auch die ganz Kleinen hatten ihren Spaß. Die einen spielten mit einem alten Staubsauger Auto, andere hatten ihren Spaß mit den leeren Kartons und wieder andere mit den Zuckerbergen.

       

Die Ausgabe

Als wir am Donnerstagmorgen zur Schule kamen, standen schon mehrere Dutzend Menschen vor der Tür. Sie warteten dort seit dem Morgengebet. Meine „Jungs“ bekamen ein NGO T-Shirt und wir bereiteten den Tisch und die Listen vor. Als dann die Polizei auch eintraf, ging es langsam los. Sie bildeten eine Mauer mit ihren Körpern draußen hinter dem Tor, sodass unsere Mitglieder mit ihren ID-Karten zuerst eintreten konnten, und später dann die Nicht-Mitglieder. Auch an diesem Tag wurde wieder gekocht. Dieses Mal Yassa (gebratenes Hühnchen mit Zwiebelsoße auf Reis).

Es gab herzergreifende Szenen zu beobachten. Eine Frau holte inmitten der großen Menschenansammlung mit ihrem Rollator ihr Paket ab. Ein Polizist rettete ein Baby aus der Menge. Zwei Klassenkameraden trafen sich bei uns nach 50 Jahren wieder, eine ohnmächtige Frau musste nach innen in den Schatten gebracht werden. Viele der Empfänger haben ohne Ende Bittgebete für euch gesprochen. Euch müssten eigentlich die Ohren geklungen haben. Unten auf dem Foto seht ihr eine Polizistin, die den Innenbereich geregelt hat. Es wurden immer 10 Personen gleichzeitig reingelassen. Alle Empfänger mussten sich auf Stühle setzen, bis sie ihren Fingerabdruck auf unsere Liste setzen konnten.

Um 17 Uhr wollten die Polizisten Feierabend machen. Schnell noch ein paar Fotos geschossen und alles zusammengeräumt. Freitag-, Samstag- und Sonntagnacht fuhren mein Mann mit unserem Team dann noch die letzten Pakete an die Alten und Kranken aus, die nicht zur Ausgabe kommen konnten. Alhamdulillah jetzt ist alles geschafft, und auch wir können unseren Ramadan genießen.

 

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Ein Gedanke zu „Ramadan in Gambia – die Freude ist groß“

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