Zum Inhalt springen

Die Woche vor Ramadan

  • von

Die arbeitsreichste und aufregendste Zeit vor Ort in Gambia

Wie jedes Jahr wollen wir auch dieses wieder Ramadanpakete ausgeben. Unsere Arbeit für dieses Projekt beginnt, abgesehen von dem Sammeln der Spenden, etwa eine Woche vor dem Ramadanbeginn.

Zunächst kalkulieren wir alle Nebenkosten wie Helfer und Transport und ziehen sie von der Gesamtsumme ab. Diese Werte beruhen auf den Erfahrungen der letzten Jahre. Den verbliebenen Betrag teilen wir durch die Anzahl der Pakete. Dann holen wir die Preise der Lebensmittel ein. Auch hier haben wir mittlerweile Erfahrungen, welche Händler unsere gewünschte Ware zu einem angemessenen Preis haben.

Das Einkaufen

Am ersten Tag gehen wir dann in die Hauptstadt, die Ware bei den uns bekannten Händlern einkaufen. Dazu führen wir die Verhandlungen und bekommen einen Lieferschein und eine Quittung. Nach den Bestellungen beauftragen wir unseren Truckfahrer, die Sachen abzuholen und zu unserem Schulgrundstück zu bringen. Einige Großhändler liefern auch selbst. Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich zahlreiche Helfer auf, die die Lieferwagen entladen. Junge kräftige Männer sowie Frauen mit Baby auf dem Rücken, aber auch Ältere geben ihr Bestes, um mitzuhelfen. Das Verwaltungsgebäude der Schule wird kurzfristig zu unserem Lager. In jedem Raum werden andere Kartons gestapelt. Das dauert bis in den Abend hinein.

Das Packen

Am nächsten Tag kommen sie alle hoch motiviert zurück, um beim Packen der Pakete zu helfen. Einige Frauen sitzen unter dem Zeltdach und packen den Zucker in kleine Tüten. Zudem stapeln wir die Waren von schwer bis leicht. Am Anfang der Reihe steht jemand -meistens bin ich das – und gibt die Tüten an die Helfer aus. An jeder Produktstation wartet eine Frau, die die Ware in die aufgehaltene Tüte packt. Die vollen Pakete werden wieder ins Haus gebracht und von einem Helfer liebevoll in den Zimmern gestapelt.

Wer die schweren Tüten nicht so weit tragen kann, für den stehen Schubkarren bereit, die ein starker Mann zum Lager fährt. Ein bis zwei Personen haben während des Packens alle 541 Familien angerufen und sie für den folgenden Tag zum Abholen eingeladen.

Es ist schon eine logistische Leistung, die langsam leerer werdenden Zimmer mit den gepackten Tüten zu füllen. Jeder der Helfer findet schnell seine Aufgabe und arbeitet fleißig mit. Von Weitem betrachtet sieht es so aus wie ein emsiger Ameisenhaufen, in dem jeder seine Rolle hat.

Alle bekommen etwas zu essen

Um die Mittagszeit beginnen einige Frauen für die Anwesenden zu kochen. Netterweise kommen sie oft zunächst zu mir, um mich zu fragen, was sie zubereiten sollen. In der Regel nehmen wir das Gericht, das am einfachsten zu kochen ist — Domoda (Reis mit Fleisch und Erdnusssauce) oder Yassa (Reis mit gebratenen Hühnchen und Zwiebeln)

Die Ausgabe

An den folgenden Tagen geben wir die Pakete aus. Jedes Jahr habe ich die Hoffnung, dass wir es an einem Tag schaffen, doch das hat bisher nie funktioniert. Das dauert deswegen so lange, weil wir immer wieder unterbrechen müssen. Unsere Mitglieder haben alle eine Mitgliedskarte, mit der sie als Erste ihr Paket bekommen. Da sich die Aktion aber mittlerweile herumgesprochen hat, stehen mehrheitlich schon seit dem Morgengebet einige Hundert Personen bei unserer Ankunft vor dem Tor. Da die Menge der Pakete in den vergangenen Jahren doppelt so viel ist wie die Anzahl unserer Mitglieder, bekommen auch immer noch andere Familien eine Lebensmitteltüte, die nicht bei uns registriert sind.

Um die registrierten Bedürftigen zu versorgen, sind die Wachleute vor Ort angewiesen, zunächst nur Personen mit unserer NGO-Karte einzulassen. Das ist schon schwer genug, denn jedes Mal, wenn sich die Tür öffnet, wollen noch andere mit hinein. Zwei meiner Mitarbeiter haken dann auf unseren Listen die Namen der Empfänger ab, damit sie nicht zweimal kommen.

Alle Nicht-Mitglieder stehen seit den Morgenstunden vor dem Tor, die Sonne scheint immer heißer und sie verlieren langsam die Geduld. Die Mitglieder müssen beim Hinausgehen von den Wachleuten begleitet werden, um den Ansturm von draußen zu kontrollieren. Immer wieder gibt es auch Verletzte. Asthmapatienten mit Luftnot, Schwangere, die beinahe erdrückt werden, in Türen eingeklemmte Finger haben wir alles erlebt. Nur, weil sie ein Ramadanpaket bekommen wollen. Der Wunsch nach der begehrten Tüte ist so groß, dass sie beinahe alles dafür riskieren. Sie wünschen sich das Paket unbedingt. Wenn sie es dann haben, stahlen ihre Augen und sie sind überglücklich. Hier die Bilder vom letzten Jahr.

2023 haben sie das Schultor demoliert und sind zu Hunderten auf das Grundstück geströmt. An diesem Tag mussten wir die Aktion abbrechen und das Tor reparieren lassen. Erst am nächsten Tag konnten wir weiter verteilen.
Sobald die Hektik es zulässt, kommen aber auch immer wieder Empfänger und sprechen Bittgebete für die Spender. Da geht das Herz auf.

Bleibe informiert

In unserem Newsletter kannst du hinter unsere Kulissen schauen. Im letzten habe ich etwa unser Team in Gambia vorgestellt. Im nächsten werde ich einen Link zu einem Video von der Ramadan-Packaktion 2024 bereitstellen. Es ist ein unkommentiertes Video, in dem ich einfach die Kamera mitlaufen ließ. Am Ende kommen die Empfänger zu Wort und bedanken sich überschwänglich mit Bittgebeten und sehr lieben Worten. Abonniere hier unseren Newsletter, und du bist immer auf dem Laufenden.

Da wir im letzten Jahr 1000 Pakete packen konnten (Artikel dazu hier), wünschen wir uns in diesem 1200. Am 21.2. schließen wir die Möglichkeit zu spenden. Am Freitag nur noch mit Echtzeitüberweisung, da wir am Montag, dem 24.2. den Einkauf starten und die genaue Zahl der Pakete wissen müssen. Spendenstand heute (13.2.) ist: 299. Wir sind leider noch weit entfernt von unserem Ziel oder von dem Stand letztes Jahr. Bitte hilf auch du, den Bedürftigen diese riesengroße Freude zu machen. Ab Samstag gibt es täglich die Spendenstände. Auf unserem WhatsApp-Kanal kannst du sie verfolgen.

Spende!

Wenn du dich noch beteiligen möchtest, kannst du das hier mit unserem Spendenformular tun. Ich zähle auf dich!

Schlagwörter: